Wenn der Kickstarter zurückschlägt...

San Diego ... Diese Stadt hat es uns echt angetan. Wieder hier zu sein, fühlt sich irgendwie an wie “nach Hause kommen”, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, warum. Wahrscheinlich ist es die Kombination aus perfektem Klima, perfekter Lage und den vielen schönen Erlebnissen, die wir hier hatten. Jedenfalls beschließen wir, bis auf weiteres erstmal hier zu bleiben und all die Dinge nachzuholen, die wir bei unserem letzten Besuch verpasst haben.

„Lass uns doch mal den öffentlichen Nahverkehr ausprobieren!“, schlägt Tom vor, als wir nochmal Richtung Downtown fahren und den Balboa Park besuchen wollen. Bei unserem letzten Besuch vor ein paar Wochen hatten wir nur einen Bruchteil gesehen, daher wollen wir den Rest jetzt nachholen. Und ja, warum nicht auch mal mit Bus & Bahn fahren? Vom Bahnhof in Encinitas, wo wir mit unserem Wohnmobil stehen, fährt der Zug direkt nach San Diego Downtown. Einfacher geht´s gar nicht. Wir müssen nur noch herausfinden, wie das hier mit den Tickets funktioniert ... Jetzt weiß ich, wie sich die armen Touristen in München fühlen, wenn sie das erste Mal vor einem Automaten stehen und eine Fahrkarte kaufen wollen. Auch hier sind die Möglichkeiten schier grenzenlos, aber wir entscheiden uns schnell für eine Tageskarte für 12,- US$, mit der wir alle Verkehrsmittel (Zug, Bus, Tram) beliebig oft nutzen können.

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Im Zug habe ich noch genug Zeit, mich ein wenig aufzuhübschen. Hach, wie früher, als ich noch angestellt war und jeden Morgen die Fahrt mit der S-Bahn zum Schminken genutzt habe ...

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Um zum Balboa Park zu kommen, müssen wir einmal umsteigen. Und während wir so auf unsere Tram warten, stellen wir fest, dass auch das beste Schloss keine Garantie vor Diebstahl bietet. „Wenn ich schon nicht das ganze Fahrrad klauen kann, dann nehme ich zumindest die Reifen samt Felgen mit“, scheint hier die Devise zu sein.

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Mir tut der Fahrrad-Besitzer jetzt schon Leid. Ich kenne dieses beschissene Gefühl leider nur zu gut…

Wir sind mittlerweile am Balboa Park angekommen. Unzählige Museen, kulturelle Einrichtungen und diverse Attraktionen auf einer Fläche von fünf km² liegen vor uns.
Vor einigen Wochen waren wir ja schon mal hier, hatten damals aber keine Lust auf Kultur. Heute haben wir die Qual der Wahl und müssen aus dem riesigen Angebot an Museen die für uns interessanten herauspicken.

Der Eintritt pro Museum kostet zwischen $ 10,- und $ 30,-. Wir haben freie Auswahl, weil wir Freikarten für alle Attraktionen erhalten – Dank der Tipps aus unserem Urlaubs-Schnäppchen-Report 🙂

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Wir entscheiden uns heute für das Natural History Museum und die Theater Show im „Reuben H. Fleet Science Center“ ...

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... und teilen unseren Kulturtag natürlich auch mit unseren Freunden auf Facebook:

Die größte Überraschung aber erleben wir, als wir wieder draußen sind. Nichtsahnend schlendern wir durch den Park, als uns plötzlich jemand ruft. Etwas verdutzt schauen wir uns um und entdecken ein bekanntes Gesicht: Sabina, eine alte Bekannte aus Deutschland, steht freudestrahlend vor uns! Die Welt ist doch ein Dorf! Wir hatten uns weder verabredet, noch wussten wir, dass sie in San Diego ist, daher ist die Wiedersehensfreude umso größer:

Was wir jetzt noch nicht wissen: in den kommenden Wochen werden wir noch einige weitere unerwartete Begegnungen mit alten Freunden haben.

Für heute haben wir aber erst einmal genug. Wir sind seit mehr als 10 Stunden unterwegs und freuen uns jetzt auf eine heiße Dusche und und unser bequemes Bett :

Ein paar Tage später erfahren wir, dass auch Toms Online Marketing Kollege Marcel Schlee gerade bei uns in der Nähe ist. Er macht mal wieder eine Harley-Tour und wir verabreden uns spontan auf ein Pläuschchen.

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Es gibt viel zu erzählen und ehe wir uns versehen, ist es bereits dunkel.

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Also planen wir kurzfristig um, und Marcel entscheidet spontan, über Nacht da zu bleiben. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer und einer guten Zigarre gibt es Männergespräche bis in die frühen Morgenstunden:

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Es war ein total schönes Treffen und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Wiedersehen.

Aber leider hält die Freude nicht lange an ... Tom will noch schnell zum Einkaufen fahren und schwingt sich aufs Motorrad. Aber, anstatt des startenden Motors höre ich plötzlich ein unterdrücktes Fluchen. „Scheiße! Scheiße! Sch…!“, ruft Tom, während er auf einem Bein vom Motorrad weghumpelt und das andere Bein hinter sich herzieht.

Ich kapiere erst gar nicht, was los ist. Erst als ich rausgehe und merke, dass Tom immer stiller wird und mich gar nicht an sich heranlässt, während er weiterhumpelt, wird mir klar, dass irgendwas Schlimmes passiert sein muss. Er muss ziemlich starke Schmerzen haben, will es mir aber nicht zeigen. Männer!

Ich stehe ziemlich hilflos da und weiß nicht, was ich tun soll, während Tom sich voll darauf konzentriert, tief ein- und auszuatmen.

Irgendwann scheint der Schmerz etwas nachzulassen, denn der humpelnde Tom bringt – nachdem ich 10x nachgefragt habe, was passiert ist - einen vollständigen Satz zustande: „Der Kickstarter hat zurückgeschlagen!“

In dem Moment schaue ich runter und sehe das Blut und eine ziemlich tiefe Kerbe am Schienbein. Mir wird schlecht.

Beim Versuch, das Motorrad zu starten, muss Tom so blöd weggerutscht sein, dass der Kickstarter zurückgeschossen ist und dabei mit voller Wucht in seinen Knöchel geschlagen hat.

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Jetzt geht alles ganz schnell. Zum Glück haben wir Eis im Gefrierfach, denn das ist das Einzige, was Tom jetzt haben möchte. Ganz viel Eis. Und hinlegen. Der Kreislauf fängt an zu spinnen…

„Soll ich den Rettungsdienst rufen?“, frage ich besorgt, nachdem ich sehe, dass sein Schienbein immer dicker wird.

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Er schüttelt den Kopf.

„Einfach nur Eis drauf und in Ruhe lassen“, sagt er, während er das verletzte Bein hochlegt.

Ich bleibe hartnäckig. „Komm, wir fahren ins Krankenhaus“, insistiere ich. „Was ist, wenn der Knochen gebrochen ist?“ Das Auto der McClaves steht vor der Türe. Sie sind zwar gerade nicht da, aber ich bin mir sicher, dass sie nichts dagegen haben werden, wenn wir es für den Notfall ausleihen.

Aber Tom will nicht. Er möchte erstmal abwarten ... Männer!!!

Er hat die Wunde mit dem Eis so betäubt, dass er mittlerweile wieder lächeln kann.

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Oh Mann…

Nach ein paar Tagen schaut es immer noch nicht besser aus, Tom vermutet mittlerweile selber, dass der Knochen angeknackst ist und wir jetzt einfach Geduld brauchen und warten müssen, bis alles wieder ordentlich zusammengewachsen ist… Gut, er ist selbst Rettungssanitäter und wird schon wissen, was in der Situation das Beste für ihn ist.

Zumindest haben wir jetzt genug Zeit, um uns Gedanken über den weiteren Verlauf unserer Reise zu machen und die Frage zu klären, wo wir dieses Jahr überwintern wollen . . .


>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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