Jetzt wird es richtig unheimlich

Heute packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen den Campingplatz. Der Plan für heute schaut wie folgt aus: Wir fahren mit Fred hoch zum Clingmans Dome und lassen ihn dort stehen. Dann hüpfen wir aufs Motorrad und fahren runter zum Cades Cove Loop, in der Hoffnung, dort ein paar Schwarzbären zu sehen. Am Nachmittag dann wieder zurück zum Clingmans Dome, wo wir dann zum Sonnenuntergang auf den Aussichtsturm steigen wollen.

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Soweit die Planung. Natürlich ist alles komplett anders gekommen…

Alleine die Fahrt zum Clingmans Dome ist ein Abenteuer für sich. Hier ist Tom noch ganz entspannt und freut sich über das schöne Wetter und die tolle Aussicht:

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Leider haben wir nicht berücksichtigt, dass der Park am Wochenende mal so richtig voll wird… Das merken wir erst, als wir in die Straße Richtung Clingman Dome abbiegen. Die nächsten 7 Meilen geht es Stoßstange an Stoßstange im Schneckentempo weiter. Viele Autos drehen einfach um und fahren zurück, das können wir mit unserem Schlachtschiff vergessen. Unsere größte Sorge ist, wo wir oben einen Parkplatz finden sollen. Normalerweise gibt es da oben genug Parkmöglichkeiten, aber bei diesem Ausnahmezustand sehen wir schwarz. Wir brauchen ja mindestens vier Parkplätze nebeneinander – das könnte bei diesem Andrang schwierig werden. Naja, wir können ja mal beim Universum einen Parkplatz bestellen, das kann ja nicht schaden… Es kommt ja auch noch erschwerend hinzu, dass das der höchste Berg in dem GSM-Nationalpark ist und wir noch gar keine Erfahrung haben, wie sich unser Cowboy Fred in den Bergen verhält. Er kommt problemlos hoch, aber der Wendekreis auf dem kleinen Parkplatz da oben ist durch die unzähligen Autos ziemlich eingegrenzt. Ich sehe uns schon da oben feststecken… Ohjeohje… Bevor wir oben angekommen sind, hüpfe ich schon mal raus, um mir die Parkplatzsituation anzuschauen. Es ist so voll, dass die Autos schon auf der Straße parken müssen. Es sieht gar nicht gut aus für uns… Umso erstaunter bin ich, als Tom mich anfunkt und sagt: „Kannst zurückkommen, ich habe einen Parkplatz gefunden.“ Ich denke, ich habe mich verhört und frage mehrmals nach, aber er sagt immer wieder, er hätte einen Parkplatz gefunden… Unglaublich! Da sind tatsächlich mehrere Autos weggefahren in dem Moment, wo Tom mit Fred gegenüber stand! Das ist eine Einbahnstraße, wäre Tom nur wenige Meter weiter gefahren, hätte er keine Chance mehr gehabt, auf den Parkplatz drauf zu kommen.

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Wie er sich da reingequetscht hat, verstehe ich bis heute nicht… Der Parkranger übrigens auch nicht. Er kommt extra rüber, um sich das Ganze anzuschauen und kann es gar nicht fassen, wie sich unter diesen Bedingungen ein Wohnmobil dort hinstellen konnte. Aber wir sagen: „Danke Universum“ und machen das Motorrad startklar für die Fahrt zum Cades Cove Loop.

Auf dem Weg Richtung Gatlinburg überqueren wir die Grenze von North Carolina nach Tennessee.

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Auch diese Strecke ist wunderschön, wir bleiben immer wieder stehen, um die Aussicht zu genießen:


 
Als wir am Visitor Center ankommen, ist es schon Nachmittag, der Verkehr wird immer dichter und wir haben selbst mit dem Motorrad Probleme, einen Parkplatz zu finden. Dann muss eben die Grünfläche herhalten 😉

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Wir holen uns hier ein paar Infos zu den umliegenden Touren, müssen uns dann aber zwischen dem Cades Cove Loop oder dem Sonnenuntergang am Clingman Dome entscheiden. Beides haut zeitlich nicht mehr hin.

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Wir hoffen, dass es diesmal klappt mit dem Sonnenuntergang vom Aussichtsturm am Clingman Dome und machen uns wieder auf den Rückweg. Den Loop können wir morgen immer noch nachholen.
Wie es in den Bergen aber so ist, schlägt das Wetter ziemlich schnell um. Die Sonne verschwindet und es wird ganz schön windig. Gute Entscheidung, wieder zurück zum Wohnmobil zu fahren. An der Staatsgrenze North Carolina - Tennessee halten wir noch mal an und bewundern die Bergkämme, die wieder verschiedene Blautöne annehmen:

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Je höher wir kommen, desto unheimlicher wird es, weil wir immer weniger sehen:

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Wir sind total erleichtert, als wir endlich am Clingmans Dome angekommen sind. Der Wind pfeift uns um die Ohren, es ist richtig kalt geworden und die Sicht wird immer schlechter. Den Sonnenuntergang können wir uns abschminken 🙁 Aber wir wollen ums Verrecken noch die 800 Meter hochlaufen um wenigstens sagen zu können, dass wir auf dem Aussichtsturm waren. Eine Frage der Ehre – selbst wenn man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Wir packen uns dick ein (Thermounterwäsche (!) und Skisocken) - und marschieren los. Kaum vorstellbar, dass wir noch vor ein paar Tagen wegen der Hitze gestöhnt haben…

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So schaut`s da oben aus, wenn man denn was sehen würde…

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Hier verläuft übrigens auch ein Teil des Appalachian Trails. Sozusagen „der Jacobsweg für Fortgeschrittene“. Er ist 3380 km lang und umfasst mehrere Bundesstatten von Georgia bis Maine. Hier erreicht er seinen höchsten Punkt:

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Wir wollen aber noch höher hinaus:

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Oben angekommen erwartet uns eine Nebelsuppe- wir können den Turm gerade mal erahnen:

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Irgendwie ist es ganz schön gruselig hier oben:

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Und trotzdem gehen wir hoch - man weiß ja nie, ob der Himmel nicht doch noch aufreißt und wir einen wunderschonen Sonnenuntergang sehen können…

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So würde es von hier oben also aussehen, wenn die Nebelsuppe nicht da wäre (Blick Richtung Westen):

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Natürlich reißt der Himmel nicht mehr auf, im Gegenteil! Es wird immer stürmischer und wir machen uns langsam Sorgen, wie wir bei diesen Sichtverhältnissen die kurvenreiche Straße mit dem Wohnmobil wieder runter kommen…

Die Temperaturen erreichen fast den Gefrierpunkt (34° Fahrenheit entsprechen etwa 1° Celsius). Durch den starken Wind ist es gefühlt noch viel kälter:

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Wie schön, dass wir die Heizung haben laufen lassen, im Womo ist es jetzt kuschelig warm. Draußen tobt das Unwetter weiter. Als unser Bordcomputer eine Eis-Warnung anzeigt, beschließen wir, heute keinen Meter mehr zu fahren und verbotenerweise hier zu übernachten. Alles andere wäre einfach nur dumm.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, morgen vor Sonnenaufgang aufzustehen und nochmal hoch zum Turm zu laufen. Vielleicht haben wir ja Glück und können noch mal so einen atemberaubenden Sonnenaufgang wie letztes Jahr in Costa Rica erleben:

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Damals sind wir 9 Stunden und knapp 4000 Meter hoch gelaufen um diesen einen AHA-Moment zu erleben:

https://weltreise247.com/tag-9-14-cerro-chirripo/

Jetzt sind es nur noch 800 Meter bis zum höchsten Punkt 😉 Wir stellen den Wecker auf 6:20 Uhr und kuscheln uns ins warme Bett, während draußen der Sturm wie verrückt tobt.

Das war unsere Strecke heute:

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2 thoughts on “Jetzt wird es richtig unheimlich”

    1. Hallo Claudia,
      vielen Dank für Deinen KOmmentar und die "Blumen". Es freut uns immer sehr, wenn wir anderen Menschen mit unserem Blog eine Freude machen können oder jemanden inspirieren können.
      Liebe Grüße, aktuell aus Texas,
      Enida & Tom

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