Wir sind im Himmel – ohne die Unannehmlichkeit des Sterbens in Kauf genommen zu haben

Wie schon befürchtet, ist der Abend etwas länger geworden...
Daher kriechen wir erst gegen 11:00 Uhr aus dem Bett und
bereiten uns langsam auf die Weiterfahrt vor:

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Endlich geht´s zur Bahia Concepcion! Für viele Baja-Reisenden ist die Bahia Concepcion DER Inbegriff der Baja. Unzählige kleine und große Buchten, kilometerweite Sandstrände mit winzigen, vorgelagerten Inseln, welche wie Edelsteine im türkisfarbenen Wasser funkeln...

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Als wir nach nur ca. 45 Minuten Fahrzeit endlich „ums Eck“ schauen können und sich der Blick über die ersten Buchten der Bahia auftun, sind wir komplett baff. Was wir da sehen ist der Hammer!

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Die Reiseführer haben nicht zu viel versprochen. Ein Problem gibt es dabei dennoch: In welche Bucht sollen wir uns stellen? Eine ist schöner als die andere. Wir entscheiden uns für „El Coyote“, welche von unseren Weltreise-Freunden Simone und Olaf auf ihrem Blog empfohlen wird:


Wir treffen auf einen wunderschönen Strand und sind im vorderen Abschnitt völlig alleine:

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Nach einem Tag wissen wir auch warum…Die erste Nacht war nicht so prickelnd. Der vordere Teil von El Coyote liegt nur ca. 50m von der Hauptstraße Mex 1 entfernt, was alleine noch nicht so schlimm wäre...

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Das Blöde ist, dass dort ein steiles Stück der Straße verläuft. Das bedeutet, dass die LKWs entweder mit ihren ohrenbetäubenden Motorbremsen kriegsähnliche (Geräusch-)Zustände produzieren, oder die großvolumigen Dieselmotoren beim Bergauffahren lautstark nach Luft und Diesel schreien. Und diese Hilfeschreie lassen die nicht vorhandenen Schalldämpfer der Auspuffrohre (es sind wirklich oft nur Rohre) ungedämpft ins Freie.

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Am nächsten Morgen lade ich zuerst unsere Honda ab und erkunde die Umgebung. Ich fahre alle Buchten an, um zu schauen, welche sich lohnen und wo wir mit unserem Dickschiff reinkommen und wo nicht. Es stellt sich heraus, dass wir bei der Hälfte der Buchten auf Grund der engen Zufahrten und/ oder des weichen Sandes diese gar nicht erst anfahren können. Gut, es gibt Schlimmeres, denn die verbleibende Auswahl ist trotzdem genial.

Als ich von meiner Erkundungsfahrt zurückkehre, ist es schon Nachmittag und wir stellen mit Erschrecken fest, dass auf „unserem“ Stellplatz schon um 16:00 die Berge ihren Schatten werfen. Die andere Seite von „El Coyote“ hat ebenfalls nur 30 Minuten länger Sonne. Daraufhin beschließen wir, zur ersten Bucht, der „Playa­ Santispac“, zurück zu fahren. Diese müsste gemäß ihrer Ausrichtung deutlich länger Sonne haben – und so ist es auch. Gesagt, getan. Wir fahren die Slides ein und rumpeln mit Fred ca. 20 Minuten Richtung Norden, zum ersten Strand der Bahia Concepcion. Und hier fühlen wir uns auch gleich richtig wohl. Aber wen wundert das, bei DEM Ausblick?

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Und als es Abend wird, freuen wir uns, dass die Sonne hier erst gegen 18:00 Uhr hinter den Bergen verschwindet. Wir haben hier also 2 Stunden länger Sonne als am „El Coyote“.

Wir erfahren auch, dass die ganzen Buchten privat gepachtet sind und die Pächter eine Übernachtungspauschale nehmen. 100 Pesos kostet hier (wie auch an allen anderen Stränden der Bahia Concepcion) eine Nacht. Umgerechnet ca. 6,- Euro. Auf den ersten Blick ist das nicht wirklich viel. Auf der anderen Seite finden wir es verdammt teuer. Denn für die 6,- Euro gibt es, außer den Platz wo man stehen kann, rein gar nichts. Kein Strom und kein Wasser. Nur eine Aussicht, die wirklich genial ist. Wenn es wenigstens die Möglichkeiten geben würde, hier irgendwo den Wassertank des Wohnmobils aufzufüllen, dann wäre es ja noch ok. So aber hat es einen bitteren Beigeschmack. Denn „trocken“ stehen, kann man fast überall kostenlos. Wir brauchen uns nur an die Laguna Manuela zu erinnern... Ebenfalls ein Traumstrand ohne irgendwelche Versorgungseinrichtungen, dafür jedoch kostenlos. Wie auch immer. Jetzt sind wir hier und genießen trotzdem die folgenden Tage.

Da wir wieder Anfang des Monats haben, steht wieder „technischer Dienst“ an. Ich schmeiße mich in Anzug und Krawatte und gehe meinen monatlichen Plan mit Fred durch. Ok, nicht ganz. Ehrlich gesagt, habe ich auf die Krawatte verzichtet… 😉

Alle Staufächer, die zugehörigen Schlösser sowie die Führungen der Slides werden mit Silikonspray gefettet, damit diese immer brav funktionieren. Insbesondere bei den Schlössern/ Staufächern die man selten benutzt ist das bei diesem staubigen und trockenen Klima ein Muss. Des Weiteren wird das Dach auf evtl. Undichtigkeiten geprüft, damit diese schon im Keim erstickt, bzw. abgedichtet werden können. Es finden sich auch tatsächlich 2 Stellen am Dach, die ich vorsorglich Ausbessere. Meine Maus nutzt die Zeit, um sich auf ihr Buchprojekt vorzubereiten.

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Am nächsten Tag bekommen wir schon Gesellschaft und jetzt soll es Schlag auf Schlag gehen.

Neben uns stehen 2 kleinere Camper: Claudia & Martin mit ihrem VW Bus (CH) und Veronika & Michael mit ihrem Toyota Landcruiser mit Kabine (D). Die beiden Pärchen sind, unabhängig voneinander, auf dem Weg nach Südamerika. Wir plaudern ein wenig über unsere vergangenen Reisen und wo die jetzige hingehen soll…

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Am nächsten Tag kommt ein Expeditions-Wohnmobil in Form eines weißen 917er Mercedes. Ilka und Günther sind uns auf Anhieb sehr sympathisch und wir verstehen uns ab der ersten Minute wunderbar. Hieraus soll sich noch eine richtige Freundschaft entwickeln.

Während wir noch mit Ilka und Günther quatschen, traue ich meinen Augen nicht, als ein museumsreifer (Jupp, entschuldige bitte diese Bezeichnung) 911 Mercedes, ein ehemaliges Polizei-Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen auf den Stellplatz der „Playa Santispac“ rollt und Kurs auf unsere Fahrzeuge hält. Jupp und Doro sind schon seit 10 Jahren (!) in ihrem Monster, welches übrigens Baujahr 1977 und in einem hammergeilen Zustand ist, unterwegs. Auch mit den beiden funkt es sofort. Natürlich stellen sich Jupp und Doro auch gleich zu uns und so langsam hätten wir das Recht, eine deutsche Flagge zu hissen und ein Hoheitsgebiet abzugrenzen. So fühlt man sich vermutlich auf Mallorca 😉

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Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Jeder berichtet über die Erlebnisse seiner Reise, wo er war, was er erlebt hat und wo er hin will. Bis auf Doro und Jupp wollen alle weiter Richtung Südamerika. Die beiden haben nämlich einen ähnlichen Plan wie wir und wollen, nachdem sie die Baja bereist haben, in den hohen Norden nach Alaska und Kanada.

Und zwischendurch wird auch immer ein bisschen rumgeblödelt:

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Wir füllen die Tage mit Dingen wie Sport, Paddeln (Enida & ich erkunden die Küste und die teilweise sehr zerklüfteten Inseln in unserer Nähe), Schwimmen, jede Menge Fotografieren und natürlich – wenn man schon mal so viele Spezialisten auf einem Haufen hat – mit jeder Menge Gespräche über Technik, Expeditions-Wohnmobile und Dingen, auf die man unbedingt achten sollte, wenn man sich so ein Gefährt zulegt.

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Wir nutzen natürlich auch die Gelegenheit, um uns die beiden großen Expeditions-Wohnmobile genauer anzuschauen und uns selbst inspirieren zu lassen. Natürlich beruht das auf Gegenseitigkeit, denn auch unser Wohnmobil wird gründlich unter die Lupe genommen. Ein recht lustiger Moment ist, als drei erwachsene Männer wie kleine Kinder unter Fred liegen und krampfhaft nach dem eingebauten Wassertank suchen. Man sollte meinen, dass man einen ca. 300 Liter großen Wassertank nicht so leicht verstecken kann. Aber weit gefehlt. Wir können ihn zwar nach ca. 1 Stunde Suchen finden, müssen aber feststellen, dass er so gut versteckt ist, dass man ihn im Falle eines Schadens nicht einfach so reparieren oder austauschen könnte. Während wir unter Fred liegen und nach dem Tank suchen, kommt von unseren Frauen, die das Spektakel beobachten, der Vorschlag, wir sollen doch einfach in der Bedienungsanleitung des Wohnmobils nachschauen. Wir drei schauen uns gegenseitig völlig entgeistert an, runzeln die Stirn, schütteln den Kopf und sind uns völlig einig, dass Bedienungsanleitungen nur was für Frauen sind 😉

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Und hier passiert es dann auch...

Ich komme weder vom Strand weg, noch aus der Liege heraus, noch kann ich mich von sonstigen Strandaktivitäten befreien. Es hat mich erwischt. So wie es ausschaut, leide ich an der fast unbekannten Krankheit „Sosanwas“. Jedoch sind meine Maus und ich uns sehr schnell einig (und auch ein Großteil unserer Facebook Freunde) dass es Schlimmeres gibt, als an dieser Krankheit zu leiden 😉

Die zwei Pärchen mit den beiden kleinen Wohnmobilen (dem VW-Bus und dem Toyota) sind zwischenzeitlich aufgebrochen und weiter in Richtung Süden gefahren. Aber ein Nachfolger lässt nicht lange auf sich warten. Ein neues, großes, amerikanisches Wohnmobil kommt auf unseren Stellplatz zugefahren und auf der Front glitzert der riesige Schriftzug „Alemania“. Somit stoßen zwei neue Deutsche zu uns. Willkommen Helmuth und Tina!

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Die beiden sind zwar keine klassischen Langzeitreisenden, da sie „nur“ ca. acht Wochen auf Reisen sind. Die beiden waren jedoch schon öfter hier auf der Baja und kennen sich daher relativ gut aus. Helmut fragt gleich, ob wir Lust auf ein Lagerfeuer haben, was wir alle bejahen. Endlich lässt der Wind das auch einmal zu. Denn im Vergleich zu den letzten Tagen, ist es heute absolut windstill. Wir fragen uns zwar, wo Helmuth das Holz her holen möchte, lassen uns aber überraschen. Nach ca. 30 Minuten taucht er wieder auf, hat jede Menge Feuerholz dabei und wir lernen eines seiner Spielzeuge kennen:

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Das Feuerholz zerteilt er direkt mit seiner Motorsäge (!) in handliche Stücke...

Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit allen Leuten am Lagerfeuer. Das ist ein recht schöner Abschluss, da dies unser letzter Abend sein wird, weil wir morgen weiter Richtung Süden fahren wollen.

Enida und ich sind, wie es meistens der Fall ist, mal wieder die letzten am Lagerfeuer. Als das Feuer mitten in der Nacht erloschen ist und Enida das Feuer wieder ans Laufen bringen möchte, lernt sie eine erneute Lektion für ihr Leben. Diese Situation, bzw. Lektion, hat mich so inspiriert, dass ich gleich am nächsten Morgen darüber einen Podcast machen musste. Was genau geschehen ist, könnt Ihr Euch hier anhören:

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Inspirational Quicky - Feuer machen

Der nächste Morgen. Es heißt Abschied nehmen.

Wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden. Der Abschied fällt uns jedoch nicht wirklich schwer, da wir wissen, dass wir in etwa die gleiche Route fahren und uns sicherlich in den nächsten Wochen wieder sehen werden. Schließlich gibt es nur eine wirkliche Hauptstraße hier auf der Baja.

Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, als wir den Platz verlassen und einen letzten Blick hinunter auf den Stellplatz werfen. Die anderen stehen noch draußen und winken uns zum Abschied zu:

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Nun fahren wir mit unserem Wohnmobil die Strecke, welche ich im Vorfeld schon mit dem Motorrad erkundet habe. Vorbei geht es an unzähligen Buchten, türkisfarbenem Wasser und etlichen kleinen und großen Inseln. Es ist so wunderschön, dass es mir oft schwer fällt, mich auf das Fahren zu konzentrieren. Hierfür gibt es eine einfache Lösung: öfter anhalten.

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Als wir uns von der Bahia Concepcion entfernen und weiter durch das Inland fahren, zeigt sich uns wieder das typisch mexikanische Bild mit Wüsten, Kakteen und Bergen. Unser nächstes Ziel ist das Küstenörtchen Loreto, welches sehr schön und sauber sein soll. Lassen wir uns überraschen…

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>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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