Von Miss-Wahlen, Grauwalen und geplanten Mord-Anschlägen

Yeah... On the road again! Endlich geht´s wieder weiter. Ja, ok. Wir müssen noch mal über die Definition von 1-2 Tagen (!) reden. 😉 Denn aus den geplanten 1-2 Tagen sind ja schon am ersten Tag 2-3 Tage geworden und letztendlich sind wir 8 Tage im Tripui RV-Park geblieben. Wir sind so dankbar dafür, dass wir uns diese Zeit nehmen können und die Reise wirklich in unserer Geschwindigkeit (oder sollte ich besser sagen: Langsamkeit? ;)) durchziehen können. Und jetzt genießen wir erst mal die Fahrt in den Sonnenuntergang…

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Ach ja, die letzten 8 Tage haben wir übrigens US$ 200,- (!) gespart. Denn wir haben keinen einzigen Cent für den Campingplatz (regulärer Preis: US$ 25,-/ Nacht) ausgegeben, weil der Manager uns eingeladen hat. Der Grund dafür war relativ einfach, denn wir haben einfach die Strategien des
"geheimen Urlaubs-Schnäppchen-Reports"
angewendet und der Manager hat sich gefreut, uns für die ganze Zeit kostenlos als seine persönlichen Gäste im Resort zu haben. Als wir uns verabschiedeten fragte er uns schon, ob wir auf dem Rückweg noch mal bei ihm vorbeischauen wollen. So muss das sein. Wir lieben solche Situationen, wo alle Parteien glücklich sind 🙂

Lopez Mateos ist ein verschlafenes Fischerörtchen an der Pazifikküste (Westküste) der Baja California mit beachtlichen 2.000
Einwohnern.

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Hier soll der beste Platz der ganzen Baja sein, um Grauwale beobachten zu können. Die Saison hierfür ist Dezember bis März, wobei März der beste Monat sein soll. Die freundlichen Riesen kommen im Winter aus den kalten Polarmeeren in die warmen und geschützten Küstengewässer der Baja California, um ihre Babys zur Welt zu bringen, ihnen das Schwimmen beizubringen und sie auf die Gefahren des wilden Pazifiks vorzubereiten. Das beobachten der Wale (Whale-Watching), steht schon seit vielen Jahren auf meiner „Bucket List“ (meine persönliche to-do-Liste, was ich unbedingt noch in meinem Leben erleben möchte) und ich freue mich schon drauf wie ein Honigkuchenpferd 🙂

Wir suchen im Vorfeld nach einem vernünftigen Veranstalter, der diese Touren gewissenhaft durchführt. Denn uns ist völlig bewusst, dass diese Whale-Watching-Touren ein zweischneidiges Schwert sind. Es ist eine Gratwanderung zwischen "den Tieren ihre Ruhe zu lassen" und "sie trotzdem beobachten und ihre Anwesenheit genießen zu können". Meine persönliche Meinung ist, dass viel mehr Menschen sich viel mehr um den Schutz unserer Umwelt, hier insbesondere der Wale, einsetzen würden, wenn sie die Faszination dieser gutmütigen Riesen hautnah erlebt hätten. Und im Idealfall sollte dieses Erlebnis in ihrem natürlichen Lebensraum, und nicht in irgendwelchen Monster-Aquarien von diversen Freizeitparks stattfinden. Wie heißt es so schön: „Man wird nur das schützen, was man auch liebt.“ Und wie soll man etwas lieben, was man noch nie erlebt hat..?

Bei unserer Recherche nach zuverlässigen und ökologisch bewussten Anbietern, stoßen wir auf Diana und Bob von "Mag Bay Outfitters". Ein amerikanisches Ehepaar, welches sich vor vielen Jahren hier niedergelassen hat und verschiedene Angebote für ihre (meist ebenfalls amerikanischen) Besucher bereithält. In einem älteren Reiseführer finden wir auch den Hinweis, dass die beiden einen Campingplatz / RV-Park betreiben und fragen natürlich auch gleich an, ob wir dort unsere „Landyacht“ parken können. Die Antwort ist kurz aber verwirrend: „Wir haben keinen RV Park mehr, aber wir kriegen Euch schon unter. Kommt einfach vorbei. Ach ja, und Ende des Monats ist das Wal-Festival.“ Keine großen Worte. Keine Erklärungen. Aber dafür ein Festival. Lassen wir uns überraschen 🙂

Es ist kurz nach Sonnenuntergang, als wir bei Bob und Diana ankommen. Die beiden begrüßen uns gleich, öffnen ein großes Schiebetor und wir fahren mit Fred auf ihr Grundstück. Wie selbstverständlich wird uns ein Wasser- und Stromanschluss angeboten – vom privaten Haushalt!

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Wie wir erst später realisieren, ist es gar nicht der Anschluss von den beiden, sondern von Harvey, der auf der Rückseite des Grundstücks sein Haus hat. Harvey ist Freund und Geschäftspartner der beiden und lebt überwiegend hier. Alle paar Monate muss er noch in die USA, um nach seinem kleinen Geschäft zu schauen. So lässt es sich aushalten 🙂

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Auf dem Grundstück des Dreigespanns finden wir auch eine Kuriosität: eine „leicht“ umgebaute Variante eines guten alten deutschen Schätzchens. Hierzu gab es auch ein kleines Rätsel auf Facebook:

 Und hier gibt es die Auflösung. Einmal Seitenansicht:

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Und einmal Frontansicht:

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Der gute alte Käfer. Vermutlich sind diese Bilder für einen echten Käfer-Fan entweder der blanke Horror oder ein Beweis dafür, wie vielseitig das kleine Wunderauto doch einsetzbar ist.

Der nächste Tag.

Nachdem wir von Bob erfahren haben, dass dieses Wochenende das „XXII. internationale Grauwal Festival 2015“ stattfinden wird, erkunden wir Lopez Mateos ein wenig zu Fuß und machen uns auf den Weg zum Festivalplatz, der auch gleichzeitig der Hafen und Ausgangspunkt für die Whale-Watching-Touren ist. Hier wird noch auf Hochtouren aufgebaut. Eine große Bühne, Kinderkarussell, Los-, Schieß- und „Fress“-Buden und diverse Fahrgeschäfte. Wir erfahren auch, dass es hier eine Miss-Wahl geben wird. Gekürt wird die „Miss Grauwal 2015“. Mein erster (zugegeben etwas böser) Gedanke war gleich, ob es für eine Frau ein Kompliment oder eine Blamage ist, wenn sie die Miss-Wahl mit dem Namen eines Tieres gewinnt, das sich im Wasser zwar recht elegant bewegen kann, an Land aber ziemlich hilflos ist, etliche Tonnen wiegt und eine Taillierung wie eine Litfaßsäule hat 😉 Nun ja, soweit meine bösen Gedanken. Hoffen wir einfach, dass es heute Abend keine Miß-Wahl wird, sondern dass auf der Miss Wahl tatsächlich die Miss Wal gekürt wird 😉

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Auf dem Weg zurück sehen wir dieses „Schätzchen“. Wer braucht da noch eine Klima-Anlage oder ein Cabrio?

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Als wir am Abend zurück zum Festival gehen, trauen wir unseren Augen nicht. So wie es aussieht, sind nicht nur alle 2.000 Einwohner von Lopez Mateos hier, sondern auch noch etliche, die eigens für dieses Festival angereist sind. Kurz gesagt: es ist voll. Und laut.

Für die Sicherheit auf dem Festival sorgen Polizei und Militär glei-­
chermaßen. Für uns ist es immer noch etwas fremd, Militär dabei zu sehen, wie es inländische Sicherheitsmaßnahmen wahrnimmt. Wobei es bei der Bewaffnung zwischen Polizei und Militär auf den ersten Blick kaum einen Unterschied gibt. Beide sind mit vollautomatischen Sturmgewehren ausgerüstet – vermutlich beruht die Wahl der Waffen auf Erfahrungswerten der Vergangenheit. Wie auch immer. Der Anblick ist für uns befremdend:

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Beim angepriesenen „internationalen Pop-Star“ handelt es sich um einen lokalen Musiker, der klassische mexikanische Musik spielt und definitiv die Massen bewegt. Es ist sehr interessant, die Musik zu hören, sowie die Band und die Menschen zu beobachten. Wir haben das Gefühl, dass jeder auf der Bühne das spielt, wonach ihm gerade ist und der Sänger ebenfalls einfach sein Ding durchzieht. Es wirkt etwas unkoordiniert und nur bedingt melodisch… zumindest für unsere Ohren.

Das Erste was uns auffällt: es ist laut.

Verdammt laut.

Viel zu laut.

Nicht nur für uns, sondern auch für die Lautsprecher. Das ist uns vorher schon an diversen Stränden und in den Orten aufgefallen. Man hört sehr oft Musik, die laut aufgedreht ist, dass die völlig überforderten Boxen um Gnade winseln, ihnen diese aber nicht gewährt wird. Die Mexikaner scheint es überhaupt nicht zu stören, wenn Musik völlig übersteuert und verzerrt ist. Ganz im Gegenteil. Die gehen dann erst richtig ab. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis für sich, dabei zu sein und die Atmosphäre zu erleben. Ausgelassene Freude. Egal ob Jung oder Alt. Alle feiern gemeinsam.

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Das einzige was wir bereuen, und das ist wirklich völlig ernst gemeint, ist, dass wir keine Ohrenstöpsel/ Gehörschutz dabei haben. Denn die krächzenden Lautsprecher tun uns beiden wirklich in den Ohren weh und so halten wir uns nur am Rand und deutlich außerhalb der Schallrichtung der Lautsprecher auf. Daher ein Tipp an jeden, der zu einem Festival dieser Art geht: Ohrenstöpsel für den Fall der Fälle einpacken, dann fällt es leichter, sich mitten ins Getümmel zu stürzen.

Zumindest haben wir es gerade noch geschafft, die „Miss Grauwal“ vor die Linse zu bekommen. Und nein, der Größenvergleich mit dem Herrn links im Bild (braune Jacke) ist keine optische Täuschung und kein Photoshop 😉

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Unsere Ohren sind zu gefühlten 95% abgestorben und es ist schon langsam spät (23:00 Uhr). Deshalb machen wir uns langsam auf den Weg zu Fred, da wir morgen früh um 08:00 Uhr zum Whale-Watching wollen.

Als wir wieder bei Fred sind haben wir das Gefühl, direkt neben dem Festival geparkt zu haben. Obwohl wir gut einen Kilometer Luftlinie entfernt sind, hören wir jedes Wort des Moderators, jeden Ton des Sängers und jeden Gnadenschrei der Boxen. Ohje, wir hoffen auf eine gute Nacht und dass das „Konzert“ um 24:00 Uhr enden möge.

24:00 Uhr. Das Konzert. Es ist da.

00:10 Uhr: Wir hören den Moderator. Lässt das auf ein Ende hindeuten? Ein Dialog zwischen dem Moderator und dem Sänger. Das müssen die Abschiedsworte sein. Tosender Applaus! Na wer sagt´s denn. Yeah. Der Lärmmacher hat Feierabend. Wir hören jetzt nur noch deutlich leisere Musik aus der „Konserve“. Ein gutes Zeichen. Wir freuen uns 🙂

00:30 Uhr: AAAAAHH!! Wir stehen senkrecht im Bett! Der schon wieder?! Pop-Star macht weiter. Mist. Unveränderte Lautstärke. Kopfkissen übern Kopf und ganz tief in die Matratze kriechen.

01:00 Uhr: Biiiitteeee Ruuuheeeeeee! Wir wollen doch einfach nur ein wenig schlafen. Es kommt unsere Geheimwaffe zum Einsatz: Spezial-Ohrstöpsel. Die leisesten, die es gibt. Die hat Enida, in weiser Voraussicht, in Deutschland noch vor unserer Abreise besorgt. Die sind genial – aber reichen trotzdem nicht aus. Arrrrghhh!

01:30 Uhr: Hört der denn gar nicht mehr auf?

02:00 Uhr: Hab ich in Deutschland jemals über das Ordnungsamt gemeckert? Oder über Lärmschutzmaßnahmen? Verzeiht mir…

02:30 Uhr: Wir schmieden Mordpläne. Dabei stellt sich uns die Frage ob alleine das Schmieden solcher Pläne Karma-Minuspunkte gibt. Wir sind uns nicht sicher und geben diese auf. Stattdessen be-­
gnügen wir uns mit diversen Flüchen von Stromausfall bis
Heiserkeit.

03:00 Uhr: verdammt Scheiße. Wird der Typ denn niemals müde? Uns sind die möglichen Karma-Minuspunkte egal. Wir schmieden weiter. Das entspannt und lenkt ab. Nebenbei entscheiden wir, dass wir morgen früh um 08:00 Uhr definitiv NICHT zum Whale-Watching gehen werden, da wir das Erlebnis ausgeschlafen und entspannt genießen wollen.

03:30 Uhr: das Knacken und Quietschen einer bösen Rückkopplung reißt uns aus unserem Dämmerschlaf. Dann: Stille! Sollen wir uns freuen? Oder sind wir dann nur umso enttäuschter wenn´s gleich wieder losgeht? Bei dem heftigen Knacken und Quietschen der Rückkopplung brauchen die eh nicht weiter zu machen, da jetzt eh alle Taub sind. Oder machen die einfach noch lauter weiter?! Oh mein Gott… bitte nicht….

Als ich die Augen öffne, knallt die Sonne auf´s Wohnmobil. Ein Blick auf den Wecker verrät uns 11:00 Uhr. Yeaaah, wir haben´s überlebt. Heute widmen wir uns ein wenig unserem Blog und den aufgelaufenen E-Mails. Das Whale-Watching werden wir morgen früh machen. An einem Montag dürfte auch hoffentlich nicht so viel los sein wie Sonntags- und die Nacht wird hoffentlich auch erholsamer 😉

Jetzt freuen wir uns riesig und ich werde immer aufgeregter. Wie nah kommen wir den Walen? Kommen welche sogar bis ans Boot? Haben wir die Möglichkeit sie anzufassen? Sehen wir auch Baby-Wale? Fragen über Fragen… morgen wissen wir mehr 🙂


>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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