Wir tauchen tiefer ein ins „echte Mexiko“

Nach dem erlebnisreichen gestrigen Tag geht es heute gleich weiter. Es ist Sonntag. Wir haben von Einheimischen gehört, dass jeden Sonntag von 08:00 Uhr bis 15:00 Uhr in Loreto Bauernmarkt ist. Und da wollen wir hin. Wir sind gespannt was es dort alles gibt, wie die Preise sind und wie wir, als offensichtliche Nicht-Mexikaner, dort empfangen werden. Kurz bevor wir den Markt erreichen, bekommen wir jedoch eine Gänsehaut. Denn am Straßenrand liegt ein völlig zerstörtes Reisemobil…

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Der Landrover Defender 110 ist richtig schlimm zugerichtet. Auf den ersten Blick schaut es nach einem heftigen Überschlag aus, da das Dach völlig eingedrückt ist. Auf dem zweiten Blick vermuten wir eher, dass er vom Monster-Hurrikan „Odile“ zerstört wurde, indem vermutlich ein Dach oder etwas Vergleichbares auf ihn herab­gestürzt ist. Wir hoffen nur, dass niemand verletzt wurde und sind zumindest froh, dass es kein aktueller Unfall ist, an dem wir zufällig vorbei kommen.

Wenige Meter weiter sind wir schon am Bauernmarkt. Unser erster Eindruck: es ist bunt. Richtig bunt. Und es herrscht sogar ein System (was wir in Mexiko noch nicht so oft erlebt haben). Auf der einen Seite sind die Non-Food Stände und auf der anderen die Lebensmittel. Dadurch, dass wir erst relativ spät hier sind, es ist 14:00 Uhr, sind einige Stände schon leer und manche Händler fangen schon an abzubauen. Das hindert uns aber nicht dran, noch eine schnelle Runde zu drehen.

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Die Non-Food Seite ist eigentlich so, wie bei uns in Deutschland damals die „echten“ Trödelmärkte waren:

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Also die, wo es noch wirklich Gebrauchtes oder Antikes gab,­
und nicht nur billigen China-Müll und neues Plastikspielzeug­
oder unzählige Stände mit Handy-Covern.

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Wir lernen auch gleich einen Renner der mexikanischen Fast-Food-Szene kennen. Keine Ahnung wie es heißt, aber es ist ein gekochter/ gedämpfter Maiskolben, der mit Mayonnaise (!) bestrichen und mit Salsa-Soße übergossen wird. Interessant...

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Uns zieht es jedoch mehr in die Obst und Gemüse Ecke und
anschließend zu einem anderen Fastfood Stand.

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Als wir uns nach den ersten Preisen erkunden, lernen wir die
verschiedenen Preisstaffeln kennen:

  1. Die für Mexikaner
  2. Die für Nicht-Mexikaner die Spanisch sprechen
  3. Die für Nicht-Mexikaner, die selbstverständlich KEIN Spanisch sprechen und erwarten, dass die Händler Englisch sprechen

Preissteigerung von 1 bis 3 (aufsteigend) ist selbstverständlich 😉

Des Weiteren lernen wir, dass auch hier die Händler eine Misch­kalkulation für sich entdeckt haben. Nur weil die Gurken an dem einen Stand sehr günstig sind, heißt es noch lange nicht, dass hier auch die Tomaten günstig sind. Ganz im Gegenteil. Wir haben Preisunterschiede bis Faktor 4 erlebt. Gut, wir müssen zugeben, dass selbst die „teuren“ Preise recht günstig sind. Jedoch widerstrebt es mir, für das gleiche Produkt 4x so viel auszugeben wie beim Nachbarn. Also erkundigen wir uns bei den verschiedenen Händlern nach den Preisen für die für uns wichtigen Produkte und schlagen anschließend zu. Wir decken uns ein mit Avocados, Mangos, Ananas, Tomaten, Gurken, Rotkohl, Limetten, Papaya und, als guter Deutscher nicht anders erwartet, mit ein paar Kartoffeln 😉

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Ach Du Scheiße. Der Rucksack ist voll. Und schwer. Aber… Das Ganze hat uns umgerechnet ca. € 6,- gekostet. Da kann man nicht meckern 😉

Und jetzt noch schnell zum Fastfood-Laden an der Ecke. Nein. Natürlich nicht das Restaurant zum „goldenen M“. Übrigens, die besagte Müll-Food-Kette hat es hier auf der Baja nicht wirklich geschafft, Fuß zu fassen. Wir haben bisher nur ganz wenige gesehen und selbst diese waren fast immer leer, was uns sehr freute 😉

Wir gehen zum Fastfood-Obsthändler und kommen uns vor wie auf dem Hamburger Fischmarkt oder bei den Blumen, Decken oder Sonstwas-Verkäufern auf der Kirmes, die Dir noch eine Decke drauflegen (die man nicht braucht) und weil heute Montag ist, gibt es noch einen Waschlappen oben drauf UND einen Tassenuntersetzer UND… das Ganze für sagenhafte € 20,- … blabla…

Naja, und so muss man sich das mit Obst vorstellen. Er schnibbelt jede Menge Obst und Gemüse und stopft es in einen überquellenden Becher. Natürlich erklärt er auch noch, was er gerade reinpackt. Es macht wirklich Spaß ihm zuzuschauen.

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Und jetzt gibt es die Dritte Lektion, die wir gelernt haben:

Never go first. Also sei nie der erste Kunde. Am besten stellst Du Dich hinter eindeutig erkennbaren Einheimischen an. In unserem Fall ist eine junge Mexikanerin vor uns. Sie bezahlt mit 20,- Pesos und bekommt 10,- Pesos zurück. Schnell im Kopf grob gerechnet und festgestellt, dass der Fruchtbecher, zumindest in der überschlagenen Rechnung ;), in etwa 10,- Pesos gekostet haben muss. Wir sind gespannt, wie hoch der vermeintliche Gringo-Aufschlag ist.
„Vienticinco“, sagt Cowboy mit voller Überzeugung zu uns. Also ­
25 Pesos? Der Gringo-Faktor beträgt also hier 2,5! Nicht schlecht.
„Estar terriblimente caro!“, wirft Enida ihm mit einem charmanten Lächeln entgegen. Unser Obstmann ist sichtlich belustig über den Vorwurf, dass 25,- Pesos „schrecklich teuer“ sein sollen und fühlt sich vermutlich in seiner Ehre als bester und schnellster Fastfood-Obst-Straßenhändler gekränkt. „Uno momento“, heißt es und er fängt an, den Becher so voll zu machen, dass schon jedes Mal ein Teil runter fällt, wenn er ein neues drauf gelegt hat. Wir bieten ihm 15,- Pesos für diese Obstbombe. Er will aber immer noch 20,- haben. „Wir sind Deutsche und keine reichen Gringos. Hier sind 15 Pesos.“ Jetzt schauen uns große Augen an. „Aleman?? Alemaaaaan! Si Aleman! Worldcup! Alemania good!“, er nimmt die 15,- Pesos, zeigt auf Enidas Kamera und deutet an, dass wir ein Foto machen sollen. Sehr gut, dann haben wir uns das Fragen gespart, denn genau das wollten wir gerade 🙂

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Wir setzen uns einfach ein paar Meter neben dem Stand auf die Straße und genießen den frischen Gemüse-Obst-Cocktail für umgerechnet etwa einem Euro. Als er sieht, dass der Becher hab leer ist, nimmt er ihn uns aus der Hand, füllt ihn erneut auf und gibt ihn uns mit den Worten „Amigo Aleman“ freudig zurück. Wie geil ist das denn?! Ich glaube, wir haben hier einen neuen Freund gefunden. So einfach kann das sein 🙂

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Auf dem Rückweg zum Tripui RV-Park fahren wir wieder durch Loreto und ich denke mir, dass wir noch schnell einen kurzen Stopp an meiner Lieblings-Eisdiele einlegen könnten. Gesagt, getan. Einmal Pistazien und, ähm, das daneben... 😉 Yummi.

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Schleck und weg… 🙂

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Sooo, lecker geschlemmt! Jetzt machen wir uns dann wirklich auf den Rückweg. Ohne weiteren Stopp schaffen wir es bis zum ­
Campingplatz. Während der Fahrt freue ich mich schon riesig auf unser nächstes Abenteuer, denn morgen wollen wir nach "Lopez Mateos" zum Whale-Watching fahren! Es ist genau die richtige Jahreszeit, wo die Wale aus den Polar-Meeren in die warmen und geschützten Gewässer der Baja California kommen, um dort ihre Babys zur Welt zu bringen. Es ist schon seit vielen Jahren ein Traum von mir, welcher auch auf meiner „Bucket-List“, also meiner „Noch-zu-erledigen-bevor-ich-sterbe-Liste“ steht. Ich stelle es mir unbeschreiblich magisch vor, wenn einer dieser Giganten plötzlich neben mir aus dem Meer auftaucht. Ich bin jetzt schon gespannt wie´n Flitzebogen 😉


>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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