Death Valley (5) - Golfspielen mit dem Teufel, 85 Meter unter dem Meer

Was muss das für ein Gefühl sein, mit dem Wohnmobil fast 90 Meter unter dem Meeresspiegel zu stehen? Wir wollen es herausfinden und machen uns auf dem Weg zum Badwater Basin, dem tiefsten Punkt Nordamerikas:

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Zum Glück müssen wir hier weder nasse Füße noch ein nasses Wohnmobil befürchten. Badwater ist eine ausgetrocknete Senke im Death Valley Nationalpark - ein Überbleibsel des prähistorischen Sees Lake Manly, der seinerzeit 150 km lang und 180 Meter tief war. Als der See austrocknete, blieben immense Salzflächen auf der Oberfläche zurück, die das Wasser aus einer nahe liegenden Quelle ungenießbar machten. So kam auch der Name “Badwater” (= schlechtes Wasser) zustande.

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Das Hinweisschild "Sea Level" (= Null Meter N.N.), welches weit über unseren Köpfen an einem Felsen angebracht ist, bietet uns natürlich ein tolles Fotomotiv:

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Das gegenüber liegende Badwater Basin liegt exakt 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel – einen tieferen Punkt gibt es in der westlichen Hemisphäre nicht:

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Das kristallisierte Salz hat mit der Zeit eine - stellenweise bis zu 1,7 Meter (!) dicke - Kruste gebildet, wodurch später dieses einzigartige, bizarre Landschaftsbild entstanden ist:

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Die kleine Wasserquelle trocknet selbst in den Sommermonaten nicht aus und gelangt durch die stark salzhaltige Schicht an die Oberfläche:

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Die Infotafel auf der Plattform erinnert uns noch mal daran, dass wir uns gerade an einem der heißesten Orte der Welt befinden (als ob wir das bei den gefühlten Temperaturen hier noch mal schriftlcih bräuchten...) 😉

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Wir bleiben aber nicht allzu lange im Badwater Basin, denn es ist nicht nur viel zu heiß, sondern leider auch viel zu voll. Natürlich kann man durch eine geschickt gewählte Perspektive tolle Bilder machen, auf denen es so ausschaut, als gäbe es nur die Natur und einen selbst. Heute will ich aber auch mal die Realität zeigen. Es ist hier nämlich alles andere als einsam. Die Touristen werden in einer Massenabfertigung mit Bussen herangekarrt…

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… und verstreuen sich wie Ameisen über das Feld:

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Unsere schönen, einsamen Bilder können wir nur in den kurzen Zeitabschnitten machen, in denen die vollen Busse wieder wegfahren und bevor die neuen ankommen.

Da wir keine Menschenmassen mögen, machen wir uns auf den Weg zu dem nächsten Stopp auf unserer heutigen Route:

Der Artist Drive ist eine 15 Kilometer lange Panorama-Rundstrecke, auf der man im Vorbeifahren die wunderschönen Farbspiele der unterschiedlichen Gesteinsformationen bewundern kann:

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Es gibt allerdings einen Haken: wir können den Artist Drive nicht mit unserem Wohnmobil abfahren. Die Straße (es ist übrigens eine Einbahnstraße!) ist streckenweise sehr eng, hat serpentinenartige Kurven und ein paar Dips, bei denen wir mit einem Womo unserer Größe leicht aufsetzen könnten.

Aber zum Glück haben wir ja unser Motorrad immer dabei 😉

Wir laden das Motorrad ab ...

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... lassen das Wohnmobil an der Straße stehen ...

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... und freuen uns auf eine farbenprächtige Rundtour:

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Wir werden nicht enttäuscht:

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Diese unglaubliche Farben-Vielfalt entsteht übrigens durch Oxidation verschiedener Metalle. So zaubert Eisen die unterschiedlichsten Rot-Töne in den Fels, während Kupfer diesen von türkis bis grün färbt:

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Und dann sind wir auch schon wieder raus aus dem Loop und auf dem Weg zurück zur Hauptstraße, wo unser Womo abgestellt ist:

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Aber halt! Jetzt, wo das Motorrad einmal abgeladen ist, können wir doch auch noch schnell einen Abstecher zum Devils Golf Course machen!

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Unsere Golf-Ausrüstung brauchen wir nicht mitzunehmen, denn es handelt sich hierbei nicht um einen Golfplatz, wie der Name vielleicht vermuten lassen könnte. Ganz im Gegenteil! Hier, auf dieser riesigen Salzplatte, könnte nur der Teufel persönlich auf die Idee kommen, Golf zu spielen. So stand es in einem Reiseführer von 1934, und da es so treffend beschrieben war, verpasste man dieser Salzwüste den Namen "Devils Golf Course":

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Dann wollen wir doch mal schauen, ob wir vielleicht ein paar verloren gegangene Golfbälle finden:

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Jetzt wird es Zeit, das Motorrad wieder aufzuladen und uns auf den Weg zum Furnace Creek Visitor Center zu machen:

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Die Landschaft um uns herum ist atemberaubend schön, wir wissen teilweise gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen:

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Unterwegs kommen wir auch am Golden Canyon vorbei, einem Trail, auf dem die Felsen in den verschiedensten Schattierungen von Gold-, Orange- und Rottönen schimmern:

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Natürlich machen wir auch hier einen Zwischenstopp, die Farbenpracht ist einfach zu verlockend:

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So, jetzt geht es aber weiter zum Furnace Creek Visitor Center ...

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... wo wir unsere Junior-Ranger-Prüfung ablegen wollen:

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Es ist bereits Nachmittag, aber die Hitze lässt nicht nach. Wir haben schon den ganzen Tag das Gefühl, in einem Backofen zu sein... Glaubt man der Anzeige unseres Außenthermometers, dann sind wir in der Tat nicht weit entfernt vom Backofen: 51° C im Schatten!!!

Dennoch behalten wir einen kühlen Kopf, lösen alle Aufgaben und nehmen feierlich unser Junior-Ranger-Abzeichen entgegen:

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Zwischenzeitlich hat es draußen ein wenig abgekühlt - es sind jetzt "nur" noch 115°F (=46°C):

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Na dann kann es ja jetzt entspannt weitergehen - vor dem Sonnenuntergang wollen wir uns noch zwei Highlights anschauen. Eines davon ist der Zabriskie Point, wo auch das Coverfoto für "The Joshua Tree" das fünfte Studioalbum der irischen Rockband U2 entstand:

Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer luxuriösen Hotelanlage vorbei, die so gar nicht in das typische Wüstenbild reinpasst: Das historische "Inn at Furnace Creek" aus den 1920er Jahren:

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Viel spannender findet Tom da die alten Feuerwehrautos, denen wir unterwegs ebenfals begegnen:

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Die danach folgende Abzweigung zum Zabriskie Point kann man nicht übersehen -  die auffälligen Felsformationen erkennt man schon vom Highway aus:

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Wir stellen unser Wohnmobil am Parkplatz ab und laufen den 90 Meter langen, befestigten Weg hoch ...

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... von wo aus wir einen atemberaubenden Blick auf das vielfarbige Ödland genießen können:

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Und jetzt hoffen wir, dass wir es noch vor dem Sonnenuntergang schaffen, hoch zum Dante’s View zu kommen. Von diesem Aussichtspunkt in 1669 m Höhe hat man einen genialen Ausblick auf  das Badwater Basin, welches wir heute Vormittag besucht hatten (85,5 Meter unter dem Meeresspiegel). Außerdem sieht man den Telescope Peak mit seinem 3366 Meter hohen Gipfel. In der Mitte des Tals erkennt man einen ausgetrockneten Salzsee.

Alleine die Fahrt dorthin ist mal wieder voll mit "Aaaahs" und "Oooohs":

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Wie wir mitbekommen haben, ist die Strecke hoch zum Dante’s View zwar asphaltiert, das lezte Stück jedoch für unser Schlachtschiff eher nicht geeignet - sehr kurvig und steil. Wir wollen es lieber nicht riskieren und beschließen kurzfristig, das Wohnmobil auf einem Parkplatz stehen zu lassen und mit dem Motorrad hoch zu fahren:

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Wie es sich herausgestellt hat, war das eine gute Idee, denn gerade der letzte Streckenabschnitt ist so steil, dass wir mit dem Womo aufgesetzt hätten:

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Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, hier hoch zu fahren.

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Der Ausblick ist einfach phantastisch, und der Ort selber eine wahre Energie-Tankstelle:

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Und obwohl wir uns laut meiner GPS-Uhr gerade auf 1166 m N.N. befinden, haben wir heute 1751,50 Höhenmeter geschafft. Sowas schaft man nur im Death Valley Nationalpark 🙂

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Nun heißt es für uns: "Time to say goodbye". Begleitet von einem grandiosen Sonnenuntergang verlassen wir diesen wundervollen Park ...

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... und machen uns einmal mehr auf den Weg zu unserer Lieblingsstadt: Las Vegas! Das erste Mal mit dem eigenen Wohnmobil 🙂 Wir schaffen es heute jedoch nur bis Pahrump und übernachten dort auf dem Walmart-Parkplatz:

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Und das war unser heutiger, sehr aufregender Tag auf einen Blick:


>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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