Death Valley (3) - Mystische Felsen - 350 Kilo bewegen sich wie von Geisterhand

Lohnt es sich, 80 Kilometer Schotterpiste zu fahren, nur um ein paar Felsbrocken zu sehen, die wie von unsichtbarer Geisterhand bewegt werden? Tom muss keine Sekunde überlegen - “The Racetrack” ist für ihn ein Muss hier im Park. Ich muss auch keine Sekunde überlegen - mein Hintern hat keine Lust, fünf Schotterpisten-Stunden auf dem Motorrad-Rücksitz zu verbringen. Wir beschließen Arbeitsteilung: Ich bleibe beim Wohnmobil (und schreibe weiter an unserem Reiseblog?), während Tom auf Erkundungstour geht.

Die Strecke ist voll mit (zum Teil sehr spitzen) Steinen und etlichen, ziemlich unangenehmen Waschbrett-Pisten. Meistens beides zusammen. Tom plant die Fahrt akribisch genau, berechnet verschiedene Szenarien von Zeit und Geschwindigkeit, um nicht irgendwo in der Wildnis mit einem leeren Tank liegen zu bleiben. Im schlimmsten Fall kommt er nur mit 15 mph (24 km/h) voran, im besten Fall kann er mit 30 mph (48 km/h) durchbrettern… In beiden Fällen bedeutet das für mich, ein paar Stunden alleine zu sein, was ich gar nicht mehr gewohnt bin, da wir ja bisher immer alles gemeinsam unternommen haben. Was stelle ich bloß mit dieser unerwarteten Freizeit an? Ursprünglich wollte ich ja unseren Blog auf den neuesten Stand bringen, beschließe aber spontan, mich noch einmal ins Bett zu kuscheln, nachdem Tom losgefahren ist. Es ist schließlich erst kurz nach acht Uhr morgens, also eigentlich noch mitten in der Nacht…

Tom:

Viel mehr als ein Schnitt von 20 mph (32 km/h) ist auf dieser Strecke leider nicht drin. Aber ich habe ja genug Zeitpuffer eingebaut, daher bin ich relativ entspannt. Nach etwa einer Stunde Fahrt auf der Racetrack-Road erreiche ich das bekannteste Fotomotiv auf der Strecke: die Teakettle Junction. Ich habe keine Ahnung, was es damit auf sich hat, aber aus irgendeinem Grund werden hier an der Kreuzung von den Besuchern immer wieder bunte Teekessel mit kleinen Nachrichten aufgehängt. Die Kessel-Ausbeute heute ist allerdings eher rar:

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In 2011 sah die Kreuzung laut Wikipedia noch so aus:

A Tomistoma and Teakettle Junction.
By TomistomaFund - Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Es geht weiter über Wellblechpisten und mit diesem atemberaubenden Anblick:

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Und dann kommt irgendwann endlich der ausgetrocknete See ins Blickfeld:

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Kurz darauf erreiche ich “The Racetrack” ...

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... und verschaffe mir erstmal einen Überblick:

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Die Oberfläche besteht zu einem großen Teil aus ausgetrocknetem Lehm, der in kleine Blöcke aufgebrochen ist:

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Jetzt bin ich aber gespannt! Ich kann es kaum erwarten, mich persönlich von dem Mysterium der wandernden Felsen zu überzeugen. Es ist wirklich schwer vorstellbar, dass teilweise über 50 Steine an einem Tag - wie durch Geisterhand geführt - über den ausgetrockneten See “wandern” und dabei deutliche Spuren hinterlassen. Die wanderfreudigen, bis zu 350 kg (!) schweren Felsen, legen dabei auch schon mal eine Strecke von über 200 Meter hin. An einem einzigen Tag! Sie erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 5 Meter pro Minute. Wahnsinn! Wenn das mal mit rechten Dingen zugeht! Spukt es hier etwa? Oder haben vielleicht Aliens ihre Hände mit im Spiel? Man weiß es nicht…

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Es ist schon ein bisschen spooky, mit eigenen Augen zu sehen, dass sich die Felsen tatsächlich ohne sichtbare Einwirkung von außen bewegen und dabei ihre unverkennbaren Spuren hinterlassen.

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Es gibt in der Tat viele unterschiedliche Hypothesen und Erklärungsversuche für dieses Phänomen. Wind, Eis, Bakterien, Regen, toniger Boden… Die Forscher sind sich uneinig. Sie können jedoch keine Kameras zur dauerhaften Überwachung montieren, da das Gebiet als „unberührte Wildnis“ ausgewiesen ist und unter Naturschutz steht. Somit bleibt auch weiterhin viel Raum für Spekulationen. Mir persönlich gefällt die Alien-Variante nach wie vor am besten 😉 

So, und jetzt heißt es noch mal über 40 km Offroad-Piste zurück zu meiner Maus. Naja, es gibt schlimmeres... Das Motorrad freut sich jedenfalls über die artgerechte Haltung und - wenn ich ehrlich bin - habe ich selbst auch einen Mordsspaß dabei 😉

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Es ist gleich Mittag, ich bin gespannt, ob meine Maus schon aus dem Bett gekrochen ist, wenn ich gleich zu Hause ankomme 😉 Wir haben schließlich noch ein straffes (und atemberaubendes!) Programm für den Rest des Tages vor uns…

Das ist die Strecke zum Racetrack auf einen Blick:

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>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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4 thoughts on “Death Valley (3) - Mystische Felsen - 350 Kilo bewegen sich wie von Geisterhand”

  1. Toller Bericht. Kleine Info. Das Rätsel um den Racetrack ist doch bereits gelöst.
    Eis läßt die Steine rutschen.????

    1. Hallo liebe Heidi,
      vielen Dank für Dein Lob, da macht das Schreiben gleich noch mal so viel Spaß 🙂
      Uns haben sie dort erkärt, dass die Eis-Theorie nur ein Teil des komplexen Mechanismus´ zwischen Wind, Eis, Regen, tonigem Boden und Algen sei. Faszinierend ist es allemal, gelle? 🙂
      Liebe Grüße an Dich, wir freuen uns, wenn Du mal wieder hier reischaust 🙂
      Enida & Tom

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