Laguna Manuela – Knochenfunde im Paradies

Immer noch von den Eindrücken der immensen Schäden des Hurrikans überwältigt, fahren wir wieder 66km auf der gut ausgebauten Seitenstraße von der Bahia de Los Angeles zurück zur Mex 1. Auf der Mex 1 angekommen, sehen wir wieder das altgewohnte, aber immer noch nicht lieb gewonnene Bild der zum Großteil viel zu engen Straße.

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Der erste Lkw lässt nicht lange auf sich warten. Und wie soll es anders sein, natürlich wieder an einer der unzähligen Stellen, wo die Straße noch nicht mal eine „Schulter“ hat. Hier hört diese nämlich schon im weißen Streifen der rechten Fahrbahnbegrenzung auf, gefolgt von einer ca. 15cm tiefen Absenkung und danach geht es sehr schräg einen weiteren Meter abwärts. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was wäre, wenn…

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Wenn sich zwei LKWs begegnen, ist einer der beiden hinteren Zwillingsräder meinst schon außerhalb der Fahrbahn:

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Die vielen Kreuze an der Fahrbahn erzählen dazu jeweils ihr eigene Geschichte…

Auf den nächsten hundert Kilometern - wir fahren gerade durch das sogenannte „Benzin-Loch“, denn hier gibt es auf einer Strecke von 200 km keine einzige Tankstelle - genießen wir wieder eine geniale Landschaft.

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Kurz vor der Ortschaft Villa Jesus Maria, hier gibt es übrigens wieder die erste Tankstelle nach dem „Loch“, biegen wir Richtung Westen ab. Denn uns wurde die Laguna Manuela empfohlen. In dieser Lagune ist eine ehemalige Fischfabrik, von welcher nur noch das Gebäude steht, und es soll ein wunderbaren Strand sein, wo man sich einfach mit dem Wohnmobil hinstellen und „wild“ campen kann. Ca. 1,5 km und einige „Bumper“ nach der Abzweigung geht links erneut eine unscheinbare und (natürlich) nicht ausgeschilderte Schotterpiste zur Laguna Manuela. Die nächsten 10 km geht es zu geschätzten 80% mit nur 10-15 km/h Geschwindigkeit über eine Wellblechpiste in Richtung Lagune. Wir sind sehr gespannt, ob sich diese Strapazen (für Mensch und Fahrzeug) wirklich lohnen.
Auf der Piste begrüßt uns ein überdimensionaler Reifen und ein weiteres Kreuz (wobei wir uns wirklich fragen, wie man auf dieser Piste ums Leben kommen kann...)

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... und ein weiteres Kreuz (wobei wir uns wirklich fragen, wie man auf dieser Piste ums Leben kommen kann...)

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Als wir an der Laguna ankommen, geht die Sonne gerade unter und wir suchen noch schnell einen Platz, wo wir übernachten können. Der sehr nasse Sand rund um das Fischcamp lässt mich stutzig werden und wirft eine wichtige Frage auf: Wie weit steigt das Wasser bei Flut? Da wir keine Gezeitentabelle haben (dort sind die Uhrzeiten und Wasserstände für Hoch- und Niedrigwasser angegeben, zu erhalten auf NOAA.com), gehen wir auf Nummer sicher, bleiben einfach neben der alten Fischfabrik stehen und genießen das Farbenspiel vom Sonnenuntergang.

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Am nächsten Tag gehen wir auf Erkundungstour an der fast menschenleeren Lagune. Für einen „wilden“ Strand ist er relativ sauber. Was jedoch auch hier gleich ins Auge fällt, ist auch wieder so ein „Monster-Reifen“, wie wir ihn schon auf dem Weg hierhin gesehen haben. Wer weiß, wo die herkommen…

Es ist wirklich wunderschön hier. Wir laufen direkt am Wasser ein Stück Richtung Norden und gelangen zu einer kleinen, einsamen Bucht. Später erfahren wir, dass - wenn wir weiter gelaufen wären - noch ein schnuckeliger (aktiver) Leuchtturm hinter der nächsten Biegung gewesen wäre. In der kleinen Bucht finden wir ein recht gut erhaltenes Skelett (leider ohne Kopf) und grübeln, um was für ein Tier es sich handeln könnte. Vielleicht hast Du, lieber Leser, ja eine Idee. Falls ja, einfach unter diesem Beitrag im Kommentarfeld hinterlassen. Wir vermuten dass es sich um einen Seelöwen o.ä. handeln könnte.


Da die Flut immer stärker wird und damit das Wasser und die Wellen zunehmen, entscheiden wir uns, die Bucht nach oben zu verlassen und machen uns langsam auf den Rückweg.


Auf dem Rückweg sehen wir ein Fahrzeug, welches es nicht schafft, die Steigung auf der Sandpiste hochzukommen und dann einfach auf den Strand fährt. Was dort geschieht ist eigentlich schon vorprogrammiert und auf dem folgenden Foto gut ersichtlich. Die Krönung kommt jedoch, als der Fahrer sein Malheur bemerkt und statt einfach vom Gas zu gehen, so lange weiter Gas gibt und die Räder durchdrehen lässt, bis der Boden des Fahrzeugs komplett auf dem Sand aufliegt. „Dummer Tourist“ ist mein erster Gedanke. Beim Näherkommen und genauem Hinsehen muss ich diesen Kommentar jedoch zurücknehmen. Es handelt sich, und darüber bin ich ehrlich gesagt sehr verwundert, um einen Einheimischen aus dem Nachbarort…

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Wieder bei Fred angekommen, machen wir uns direkt auf den Weg, denn wir wollen heute noch weiter. „Freust Du Dich schon auf die nächste Stunde?“, frage ich meine Maus mit einem leicht ironischen Unterton. In Gedanken an die vor uns liegenden 10km Wellblechpiste wohl auch eher eine rhetorische Frage… 😉
Da wir auf dieser Strecke nur sehr langsam fahren, haben wir viel Zeit zum „Durch-die-Gegend-gucken“ und finden auch gleich einen Grund, um die Holperfahrt kurz zu unterbrechen und ausgeblichene Knochen zu fotografieren. Hier hatte wohl jemand ein Festmahl – und jemand anderes einen echten Scheißtag 😉


Etwa eine weitere Stunde nachdem wir die Wellblechpiste verlassen haben, erreichen wir die Stadt Guerrero Negro und damit auch die Grenze zur Baja California Süd. Die Überfahrt verläuft entspannt.
Wir passieren die überdimensionale Statue (die von weitem wie eine Gabel aussieht, jedoch einen stilisierten Adler darstellen soll), ein Wal-Skelett und werden vom ersten Grenzposten durch gewunken und an der Agrarkontrolle angehalten.


Wir werden gefragt, wo wir herkommen und ob wir Obst oder Gemüse dabei hätten. Um eine Durchsuchung zu vermeiden will ich ein Bauernopfer geben und sage, dass wir eine Orange und 2 Äpfel dabei haben. Direkt frage ich, ob wir diese etwa abgeben müssten oder ob wir die gleich essen können. Die Antwort erstaunt uns: „Beim nächsten Mal sagst Du einfach NEIN“, sagt der freundlich lächelnde Beamte, kassierte gemäß Preistafel die 20 Peso (ca. 1,- EUR) für die Unterbodendesinfektion und wir können weiter fahren. Willkommen in der B.C.S. (Baja California Sur)

Da wir auch die Zeitzone wechseln (von Pacific Time auf Mountain Time), dürfen wir uns ab jetzt auf längere Tage freuen - die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt 🙂 Jetzt haben wir nur noch -8 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland.

Der Tag neigt sich dem Ende und wir schaffen es mit den letzten Sonnenstrahlen noch zu unserem Tagesziel: dem bekannten Missions-Ort San Ignacio.


San_Ignacio

>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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