Big Bend – Auf der Jagd nach dem Puma

Nachdem gestern wieder unser wöchentlicher Arbeitstag war - der Stress bringt uns noch irgendwann ins Grab 😉 – schlafen wir heute etwas länger und verplanen nur den Nachmittag.

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Wir wollen als erstes ins Visitor Center, um uns eine "Backcountry Permit" zu besorgen. Diese Erlaubnis kostet 10,-US$ und wir dürfen damit max. 14 aufeinanderfolgende Nächte auf den Backcountry Camp Sites übernachten. Diese Camp Sites sind jedoch nicht mit Campingplätzen zu vergleichen. Es sind nur sogenannte Dry Sites. Also einfach nur Stellplätze, ohne Strom, Wasser, Duschen, WC oder sonstigen Einrichtungen. Einfach nur ein Stück Erde, wo man übernachten darf. Da man auf diesen Plätzen völlig alleine ist, ist man absolut ungestört und kann die Natur in vollen Zügen genießen. Gerade die Sternenhimmel sind gigantisch, wenn es keine „Licht-Verschmutzung“, also fremde Lichtquellen gibt. Wer schon mal den Sternenhimmel weitab der Zivilisation, in den Bergen oder in der Wüste, erlebt hat, weiß wovon wir reden.
Wir sind um 11:45 am Visitor Center. Da wir vor dem Center noch einen kleinen Pflanzen-Lehrpfad entdecken, machen wir diesen noch schnell, denn es fehlen uns noch ein paar Antworten zu den botanischen Fragen in unserem Junior Ranger Heft 😉
Leider vergessen wir dabei die Zeit und als wir um 12:10 ins Visitor Center wollen ist geschlossen. Mittagspause bis 13:00. Super. Was jetzt? 45 Minuten warten? Das sehen wir beide als Zeitverschwendung. Die haben nach der Pause noch bis 16:00 auf und so entschließen wir uns eine kleine Wanderung in der Nähe zu machen. Am Marufo Vega Trail soll man öfters Pumas zu Gesicht bekommen. Also nix wie hin. Wir fahren ein paar Kilometer nach Westen und halten erst mal wieder an einem wunderschönen Ort, dem Rio Grande Overlook, und machen ein paar Fotos.


Die kleine Ortschaft Boquillas Del Carmen, auf der anderen Seite des Rio Grande, liegt schon in Mexiko und besitzt noch nicht einmal Strom. Der Rio Grande ist hier wirklich die einzige Grenze zwischen Mexiko und den USA. Der Fluss kann an den meisten Stellen einfach durchwandert und somit die Grenze illegal überschritten werden. Die am besten bewachte Grenze der Welt, wie die Grenze zwischen USA und Mexiko auch genannte wird, hatte ich mir anders vorgestellt. Das Überschreiten der Grenze ist hier kein Problem. Deshalb ist diese Region auch bei den sogenannten „Coyoten“ so beliebt. Hierbei handelt es sich um eine ganz miese Art von Kriminellen. Diese versprechen Mexikanern, dass sie diese (illegal) in die USA reinbringen und verlangen dafür horrende Summen, wofür die meisten Mexikaner ihr ganzes Leben gespart haben, oder die Eltern ihr Erspartes den Coyoten geben, damit diese ihre Kinder in das „gelobte Land“ bringen. Diese Banden bringen die ahnungslosen Menschen zwar tatsächlich an unbewachte Stellen des Rio Grande, wovon es mehr als genug hier gibt und zeigen denen auch einen flachen Übergang. Dann drücken sie den Flüchtlingen eine Gallone (ca. 3,8L) Wasser in die Hand und sagen sie sollen immer nur nach Norden laufen. Dabei verschweigen sie ihnen, dass vor Ihnen ca. 150km – 200km erbarmungslose, trockene Wüste liegt. Wie weit man da mit 4 Litern Wasser kommt kann sich jeder denken. Diejenigen, die Glück haben, werden von der US-Grenzbehörde gefunden, in Auffanglagern eingesperrt und wieder zurück nach Mexiko gebracht. Diejenigen die weniger Glück haben, werden, so wie es alle paar Jahre immer wieder vorkommt, von Touristen gefunden. Zumindest das, was die Natur von ihnen übrig gelassen hat…

An unserem ausgesuchten Trail angekommen, verschaffen wir uns erst mal einen Überblick von unserer privaten Aussichtsplattform.

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Los geht´s! Wir machen eine Mischung aus Marufo Vega Loop und Strawhouse Trail. Insgesamt so um die 10km mit ein paar Höhenmetern. Das ganze sollte in 3 Stunden geschafft sein, so dass wir gegen 15:30 wieder am Visitor Center sind, um unsere Erlaubnis für das Campen zu holen.


Fred lassen wir mit gemischten Gefühlen zurück, da direkt neben uns ein kleines Schild steht, dass vor Autoeinbrüchen warnt und davon abrät, ein Fahrzeug hier unbewacht stehen zu lassen. Das ist natürlich ein toller Hinweis an einem Wanderparkplatz, wo natürlich jeder normale Mensch hinfährt, um den ganzen Tag im Auto sitzen zu bleiben. Klasse.

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Die ersten zwei bis drei Kilometer geht es durch ein ausgetrocknetes Flussbett, bis wir zur ersten Abzweigung kommen. Die Pfade sind hier leider nicht so gut zu erkennen, wie in anderen Parks, da diese in der Wüste sehr oft einfach weggeblasen werden. Daher sind wir jedes Mal froh, wenn wir an der vermuteten Stelle auch tatsächlich eine Abzweigung mit dem richtigen Hinweis finden.

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Und jetzt kommt auch schon der Teil wo wir einige Höhenmeter machen dürfen. Zum Glück hat es nur angenehm „kühle“ 28°C. Der Felsen, der im Hintergrund am linken Bildrand zu sehen ist, gehört (hoffentlich) in wenigen Minuten uns.

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Der Weg nach oben ist Dank eines steten Windes weniger anstrengend als vermutet. Auf dem kommenden Bild ist Enida beim Aufstieg zu sehen. Naja, wenn man sie sieht. Findest Du sie?

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falls nicht, hier ist die Auflösung:
 
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Oben angekommen bietet sich eine gigantische Aussicht, von der wir sogar Fred sehen können – zumindest mit dem Fernglas.

 
Wir genießen den Ausblick, während uns die warme Luft sanft trocken föhnt. Die Stille und die friedliche, wunderschöne Landschaft haben etwas Meditatives.


 
Leider wird die Freude des Trails ein wenig getrübt, da meine neugierige Mausfrau gegen eine Grundregel in fremden Klimazonen verstößt, welche lautet: „Nichts anfassen, was man nicht wirklich kennt.“ Dass es in der Wüste unzählige Kakteen in allen möglichen Formen und Farben gibt, weiß eigentlich jedes Kind. Und mit einem Kaktus werden immer bedrohliche Stacheln in Verbindung gebracht. Daher würde man nie auf die Idee kommen, diese anzufassen. Und wenn man wissen wollen würde wie spitz die tatsächlich sind, würde man diese vermutlich nur gaaaaaanz vorsichtig anfassen. Aber was macht man, wenn an einem Kaktus keine Stacheln zu sehen sind? Sondern - ganz im Gegenteil - die Oberfläche samtweich ausschaut? Richtig. Man lässt normalerweise auch hier die Finger weg. Wenn aber die Neugierde überragt, fasst man mal gaaaaanz vorsichtig an. Und wenn sich die Haut wirklich samtweich anfühlt, streichelt man sogar drüber. Jeder, der stark von Neugier getrieben ist, kann das nachvollziehen. Mir wäre es vermutlich auch so gegangen, wenn ich nicht einen Tag vorher im „Junior Ranger“ Heft (ja, wir machen das Programm auch hier;)) nicht von diesem Kaktus gelesen hätte. Dieses kleine Miststück von Kaktus täuscht nämlich eine samtweiche Haut vor und diese fühlt sich auch erst mal so an. Bis man merkt, dass jede einzelne „Samt“-Faser in Wirklichkeit nämlich ein Mini-Stachel mit Widerhaken ist. Somit hat man mit einem einzigen Mal drüber streichen gleich hunderte dieser kleinen Stacheln in der Haut – autsch, autsch, autsch. Und wie soll man etwas rausziehen, was viel dünner ist als ein Haar? Und dann gleich unzählige davon? Zum Glück ist meine Maus tapfer und versucht erst gar nicht, diese ohne Pinzette herauszuziehen.
Und so schaut dieses kleine Miststück aus. Die kleinen „Pinsel“, auf welche ich zeige, beinhalten diese unbeschreiblich dünnen Stacheln:

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Auf dem folgenden Bild zeigt Enida auf den Bergkamm, wo wir waren. Warum sie Hand etwas verkrampft hält ist jetzt auch bekannt.

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Der Rückweg geht die letzten beiden Kilometer wieder durch das Flussbett. Da ich keine vernünftigen Bergstiefel anhabe, darf ich alle paar Meter anhalten und das halbe Flussbett aus meinen Schuhen entleeren. Schließlich darf man ja keine Steine aus der Wüste mitnehmen 😉

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Wir kommen auch an einem Teil des Old Ore Trail (alter Erz Weg) vorbei. Hier findet man noch Überreste einer alten Seilbahn, mit welchen von Mexiko Erz in die USA gebracht wurde, welches hier verarbeitet wurde.

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Endlich wieder am Wohnmobil angekommen stellen wir fest, dass wir die Backcountry-Erlaubnis jetzt auch nicht mehr erhalten. Die Natur hatte uns so die Zeit vergessen lassen, dass es jetzt kurz nach 16:00Uhr ist. Zu unserer Freude ist Fred unversehrt. Zwar haben wir keine Pumas gesehen, aber dafür hat uns die Natur mit unbeschreiblichen Eindrücken reichlich beschenkt.

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Wir nutzen den Rest des Tages um noch zu den Hot Springs, den heißen Quellen, zu fahren. Hier kommt das Wasser mit ca. 38°C aus dem Boden. Genau das Richtige nach einer Wanderung in der staubigen Wüste. Besonders, da es jetzt gegen Abend wirklich schnell abkühlen wird. Hot Springs wir kommen…

 

>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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3 thoughts on “Big Bend – Auf der Jagd nach dem Puma”

  1. Hallo,
    schön dass Euch der Big Bend NP so gut gefällt. Und das ist ja erst ein Vorgeschmack auf viele andere Highlights. Erst recht, wenn Ihr von Reisen im Expeditionsmobil träumt, wahrscheinlich wie dort:
    ---> http://dergrossewagen.eu/index.php/nordamerika-usa-canada-2012-2013/reiseberichte/22-reisebericht/nordamerika-reisen/50-texas.html
    ---> http://dergrossewagen.de/usa/bericht19.php
    ---> https://crossamerika.wordpress.com/category/reiseberichte/usa/02-2011-texas-new-mexico/
    Wünsche Euch weiterhin eine unvergessliche Reise.
    Viele Grüße aus dem (zum Glück noch) nicht verschneiten Berlin.

  2. Hallo ihr zwei Weltenbummler,
    Ich bin Uwe von der German Airforce und wir trafen uns in White Sands. ( Wir machten doch noch ein Bild mit Tom und mir vor beiden Bussen )Leider war unser Gespräch viel zu kurz. Ich fand euch und eure Geschichte soooo interessant, dass ich sofort eure ganze Hompage verschlungen habe. Nun stellen sich mir allerdings zwei Fragen.
    Wie funktioniert das mit der Krankenversicherung und wie kamt ihr an ein 10 Jahresvisum? Solltet ihr mal Zeit finden ( na ja davon habt ihr doch wirklich reichlich

    1. Hi Uwe,
      hat uns beide sehr gefreut, dass wir ein Stück Heimat getroffen haben 🙂
      Und dass Du gleich die ganze Website auswendig gelernt hast... wir fühlen uns geehrt 🙂
      Vorab zu Deinen Fragen:
      Zeit haben wir genug? Eine Weltreise ist KEIN Urlaub. Auch wenn es sich blöd anhört, aber es ist echt so. Auch auf der Reise geht der "Alltag" weiter. Wäsche waschen, Kleinreparaturen, Überweisungen/ Rechnungen und noch so anderer Nicht-Reise-Kram. Gut, das Jammern ist auf hohem Niveau und ich vermute, dass sich Dein Mitleid in Grenzen hält 😉

      10-Jahres-Visum:
      Enida hat von Anfang (Antrag) bis Ende (Aushändigung Visa) alles genauestens protokolliert. Sogar mit Beschreibung der einzelnen Schalter im Konsulat 😉 Darüber wird sie noch ein E-Book schreiben. Auch mit vielen Tipps & Tricks die das Leben (Visum) leichter machen. Auch im Nachhinein, wenn man einmal auf Reise ist 😉

      Krankenversicherung:
      Deutsche PKV wurde auf Eis gelegt (mit Anwartschaft). Für das Ausland gibt es Langzeit-Reiseversicherungen. Die sind relativ günstig, sofern man NICHT die USA & Can mit einschließt. Die beiden Ländern verdoppeln leider die Prämie...

      Viele Grüße aus Kalifornien
      Wir wünschen Dir fröhliche Weihnachtstage.
      Gruß
      Enida & Tom

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