Umzingelt von Vogelspinnen und Klapperschlangen

Die Straße von Presidio nach Norden entspricht genau der Vorstellung, die die meisten Menschen von amerikanischen Highways haben. Es geht teilweise soweit geradeaus, wie das Auge sehen kann. Hin und wieder werden vom Wind ein paar dieser abgestorbenen, runden Büsche über die Straße geweht, wie man sie aus Western kennt.

Eine leichte Kurve, die man auf deutschen Autobahnen gar nicht als solche wahrnehmen würde, kann einen hier regelrecht überraschen und bekommt den Charme einer Haarnadelkurve 😉


Nachdem wir ca. 80km nach Norden in Richtung Pecos gefahren sind, die ganze Zeit durch trostlose, felsige und trockene Wüste, kommt ca. 5km vor der nächsten Ortschaft auf einmal ein Warnschild „Inspection Station – All vehicles MUST stop“. Und aus dem Nichts taucht auf einmal eine Kontrollstelle der US Grenzbehörde auf. Die komplette Straße ist gesperrt und der ganze Verkehr (sofern man hier von Verkehr sprechen kann), wird über die Ausbuchtung umgelenkt. Ein Grenzbeamter fragt, ob wir beide Amerikaner sind, was wir natürlich verneinen. Daraufhin will er unsere Ausweise sehen, fragt wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Die letzte Frage ist, ob nur wir beide im WoMo sind oder noch andere Personen. Nach 1-2 Minuten ist die freundliche Kontrolle vorbei und in der Verabschiedung gratuliert er uns noch zum Fußball-Weltmeistertitel 🙂

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Weiter geht´s Richtung Norden. Unser Zwischenziel ist Fort Davis. Dort gibt es zwei sehr interessante Dinge zu sehen. Einmal die Sternenwarte, wo man in die Tiefen des Weltalls schauen kann, wie man es vermutlich noch nie gesehen hat. Und zum anderen die weltgrößte Ausstellung von lebenden Klapperschlangen. Beides wollen wir uns anschauen. In Fort Davis angekommen, fragen wir ein paar Motorradfahrer wo das Klapperschlangen-Dings ist. Kurzerhand schwingt sich einer der Rocker auf sein Mopped und sagt zu uns: „Fahrt mir hinterher, ich bringe euch hin“. Gesagt, getan. Wenige Minuten später sind wir vor Ort und der Ritter mit seinem Stahlross dreht wieder ab und grüßt noch lässig mit der Hand.

Wir stellen schnell fest, dass es sich um eine Art Privat-Zoo eines Klapperschlangen-Fans handelt.

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„Buzz“ hat von fast allen (29) verschiedenen Klapperschlangenarten mindestens eine in seinen Terrarien. Es ist sehr faszinierend, die unterschiedlichen Größen der ausgewachsenen Tiere zu sehen. Von „niedlichen“ 40cm bis hin zu beeindruckenden 2 Metern! Der enorme Größenunterschied bedeutet aber keineswegs, dass eine größere Schlange gefährlicher ist als eine kleine! Teilweise ist genau das Gegenteil der Fall. Es kommt nämlich öfter vor, dass das Gift einer kleinen Schlange wesentlich höher konzentriert ist, als das von einer großen. Alle Klapperschlangen sind übrigens giftig und können für den Menschen lebensgefährlich werden. Dies ist aber keineswegs ein Grund, sich vor diesen wunderschönen Tieren zu fürchten. Man muss eben nur die Spielregeln kennen, dann ist man zu 99% sicher. Eine pauschale Angst oder womöglich einen Hass vor Schlangen zu haben, ist völlig ungerechtfertigt und entlarvt einen nur als einen Menschen, der entweder keine Ahnung hat oder völlig intolerant ist. Ich vergleiche das gerne mit unseren Straßen. Wenn ich die gültigen Verkehrsregeln nicht kenne und an einer Straßenkreuzung mit hohem Verkehrsaufkommen einfach mit unveränderter Geschwindigkeit über eine rote Ampel fahre, dann werde ich sicherlich von den anderen Autos/ Verkehrsteilnehmern schwer verletzt. Wenn ich zu Fuß eine stark befahrene Autobahn überqueren will, ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr hoch, dass ich dabei ums Leben komme. Wenn ich jedoch bei Grün über die Kreuzung fahre und beim Überqueren der Autobahn eine Brücke benutze, dann ist meine Überlebenswahrscheinlichkeit bei 99,99%. Es besteht also kein Grund, Angst vor Autos zu haben. Respekt ja, Angst nein. Und in der Natur verhält es sich genauso. Wenn ich im Dschungel, in der Wüste oder in sonstigen fremden Regionen die Verkehrsregeln nicht kenne, dann kann es sein, dass ich „überfahren“ werde. Da die meisten Verkehrsregeln jedoch etwas mit gesundem Menschenverstand zu tun haben (zumindest in der Natur), ist man relativ sicher, sofern man seinen Verstand wenigstens ein bisschen benutzt. Wenn man selbst das nicht schafft, dann fällt es eben unter „natürliche Selektion“ 😉

Hier sind 2 besonders schöne Exemplare:

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Als wir eine weitere Klapperschlange beobachten, haben wir das Gefühl, dass sie uns mit ihren Augen fixiert. Nach ein paar Sekunden fängt sie plötzlich an, mit der Schwanzrassel wie wild zu klappern, schnellt zurück und dreht ihren Körper auf wie eine Sprungfeder. Jeden Moment bereit, nach vorne zu schnellen und das tödliche Gift zu injizieren.

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Aber auch hier erfahren wir am eigenen Leib, dass diese Schlange nicht wirklich aggressiv ist. Denn wenn sie das wäre, hätte sie schon längst versucht uns zu beißen. Aber warum sollte sie das tun? Eine Schlange (oder auch jedes andere giftige Tier) benutzt sein Gift ausschließlich aus 2 Gründen: Entweder um seine Beute zu töten, oder um sich gegen einen Angreifer zu verteidigen. Eine Schlange schluckt ihre Beute immer am Stück und kann niemals nur ein Stück herausbeißen. Somit ist ein Mensch definitiv viel zu groß, um für eine Schlange als Beute in Frage zu kommen. Also bleibt in der Beziehung Mensch – Schlange nur noch die zweite Verwendungsmöglichkeit: zur Verteidigung. Wenn wir also nicht versuchen, eine Schlange zu fangen (das würde im Fall eines Bisses unter „natürliche Selektion“ fallen) oder gegen andere „Verkehrsregeln“ verstoßen und eine Schlange überraschen, dann wird eine Schlange immer das Weite suchen und den Kontakt mit dem Menschen vermeiden.

In dem folgenden Video siehst Du wunderbar, welchen Respekt die Schlange vor uns hat und Du hörst auch sehr deutlich, wie sehr sie uns warnt, sie in Ruhe zu lassen. Obwohl wir mit der Kamera sehr penetrant sind, greift sie nicht an, sondern droht einfach nur stärker. Um sie nicht weiter zu reizen, weichen wir samt Kamera weiter zurück und sie wird auch unmittelbar ruhiger.

ACHTUNG! Das Video befindet sich auf der Festplatte, die sich leider zerschossen hat. Wir sind gerade dabei, diese wieder herstellen zu lassen und werden das Video umgehend einbinden, sobald wir die Daten wieder haben. Schaue einfach später noch mal rein 🙂

Was tun, wenn man von einer (Klapper-)Schlange gebissen wurde?

Die erste Regel ist ebenso wichtig, wie sie auch gleichzeitig völlig bescheuert ist: „Ruhe bewahren!“

Das ist leicht gesagt. Aber warum ist das wichtig? Je aufgeregter man wird, desto schneller schlägt das Herz. Je schneller das Herz schlägt, desto schneller wird das Gift (welches jetzt im Blut ist) im ganzen Körper verteilt.

Hier die offiziellen Erste Hilfe Maßnahmen bei Schlangenbissen:

• Das Opfer sofort aus dem Gefahrenbereich bringen. Klapperschlangen haben einen Wirkungsbereich von ca. einer halben Köperlänge.

• SOFORT nicht-dehnbaren Schmuck, wie z.B. Ringe an den Fingern, vom Patienten entfernen, da Bereiche des Körpers relativ schnell stark anschwellen können.

• Der Einsatz einer Vakuumpumpe, z.B. aus einem Schlangenbiss-Set, um das Gift auszusaugen, bringt nur relativ wenig und muss innerhalb 2-3 Minuten nach dem Biss eingesetzt werden. ACHTUNG: auf KEINEN Fall das Gift versuchen mit dem Mund auszusaugen! Die Schleimhäute im Mund würden das Gift sofort in die Blutbahn gelangen lassen und somit hätte sich der Helfer ebenfalls vergiftet! Auch auf KEINEN Fall die Biss-Stelle einschneiden, ritzen oder sonst wie öffnen!

• Achte auf Vergiftungszeichen:

o Brennende Schmerzen an der Biss-Stelle
o Starke Anschwellung der Gliedmaße innerhalb 5 Minuten nach dem Biss. Schwellung wandert die Gliedmaßen herauf und kann mehrere Stunden andauern.
o Verfärbte oder mit Blut gefüllte Blasen, welche sich zwischen 6h und 48h entwickeln.
o Und in schweren Fällen: Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Schwäche, Blutungen (auch innere Blutungen), Bewusstlosigkeit, Koma, Tot.

• Wichtige Info zur Beruhigung des Patienten:
 => In 25% aller Klapperschlangenbisse wird KEIN Gift injiziert!

• Wenn unmittelbar nach dem Biss deutliche Symptome auftreten, den Patienten so ruhig wie möglich halten. Je mehr sich der Patient bewegt und/ oder aufregt, desto schlimmer und gefährlicher wird die Situation.

Quelle (original in Englisch):
National Park Service, U.S. Dept of the interior, Guadalupe Mountain National Park
(Haftungsausschluss: keine Gewähr auf Richtigkeit, keine Haftung. Die Übersetzung ist frei und sinngemäß und dient als Anhalt. Bitte fragt einen Fachmann nach der richtigen Verhaltensweise)

Anmerkung – NOTRUF:

Diesen so früh wie möglich veranlassen. Ist er per Telefon möglich (Netzabdeckung)?

• Ja?
=> Welche Telefonnummer(n) sind sinnvoll (vorher besorgen)

• Nein? – Vorher um Alternativen kümmern:
=>  Wo ist das nächste öffentliche Telefon?
=>  Wo kann ich Hilfe erwarten (z.B. Ranger Station?)
=>  Wie erreiche ich Hilfe? Eine Person bleibt beim Patienten, eine weitere holt Hilfe (ACHTUNG: Den Unfallort möglichst genau schriftlich (!) notieren! Zur Not auf die Hand schreiben. GPS Koordinaten vorhanden? Fotos machen.

Da Enida noch nie eine Schlange angefasst hat, wird es langsam mal Zeit. Wir fragen Buzz, ob er eine liebe, nette kleine Schlange hat, die rothaarige Mädchen mag. Er überlegt kurz und geht zum Terrarium mit der 2m-Klapperschlange. „Die hier“, antwortet er lässig. Er spürt, dass sich unsere Begeisterung im Rahmen hält und fügt gleich hinzu: „War nur ein Scherz.“ Daraufhin geht er zu einem anderen Terrarium und holt eine kleine „Nashornschlange“ heraus. Diese hat den Namen, weil sie wirklich eine Art Einhorn auf der Nase hat, womit sie sich im Sand eingraben kann.

Meine Maus streckt sofort ihre Hand aus und lässt die Kleine Platz nehmen. Neugierig züngelt die Kleine herum und scheint sich ganz wohl zu fühlen. Und meine Maus? Oh, verdammt! Meine MAUS?! Was mache ich hier bloß? Enida schwebt gerade in Lebensgefahr! Mäuse sind doch eine der Hauptnahrungsquellen von Schlangen… Ab sofort rede ich meine Maus, ähm, Enida, in Gegenwart der Schlange nur noch mit ihrem Namen an 😉

Spaß beiseite. Wie geht´s meiner Maus? Sie hatte bis jetzt noch nie eine Schlange angefasst oder in der Hand gehabt. Sie schaut fasziniert und begeistert. Von Angst keine Spur. „Wow. Sie ist richtig kalt. Und so weich. Wahnsinn. Wie schön sie ist.“ Ihre Augen leuchten. Ich bin in diesem Moment auch richtig glücklich. Zum einen, weil ich spüre wie glücklich meine Maus ist, diese Erfahrung machen zu können, und zum anderen bin ich froh, dass sie keine Abneigung sondern Zuneigung verspürt. Dies ist mir deshalb wichtig, weil man nur diese Dinge als schützenswert betrachtet, die man persönlich mag oder sogar liebt. Ich mag die Kleine natürlich auch noch kurz knuddeln und sie wandert ruckzuck meinen Arm hinauf und züngelt sich durch die Gegend. Es ist immer wieder ein schönes Gefühl, solch ein exotisches Tier zu fühlen.


Noch bevor wir mit der Schlange knuddelten, stand ich vor den Terrarien mit etlichen Arten von Taranteln (Vogelspinnen). Auch hier hat Buzz eine beträchtliche Anzahl verschiedener Arten. Ich muss dazu sagen, dass ich zu Spinnen ein sehr gespaltenes Verhältnis habe. Das geht ziemlich weit in meine Kindheit zurück. In den Achtzigern schürten „Horror-Klassiker“ wie z.B. „Tarantula“ die Angst der Menschen vor Spinnen. Hinzu kam, dass wir im Keller unseres Hauses, insbesondere in den kalten Tagen des Jahres, öfters diese fußballgroßen – so empfanden wir sie zumindest – Monsterspinnen fanden, die nur darauf warteten, uns Kinder anzuspringen, ihr tödliches Gift zu injizieren und uns anschließend in einen Kokon auf Spinnfäden zu wickeln um dann für die nächsten 3.728 Jahre genügend Nahrung zu haben. Ein markerschütternder Schrei nach unseren Eltern setzte dem Schrecken meist ein Ende – und der Spinne auch.

Im Laufe der letzten ca. 20 Jahre habe ich stark an mir gearbeitet, um die unbegründete Angst los zu werden. Meistens, indem ich mich bewusst mit dieser konfrontiere und mir klar mache, dass diese völlig unbegründet ist. Heute weiß ich, dass die „Große Hausspinne/ Winkelspinne“ etwas kleiner als fußballgroß ist 😉 und weder Kinder noch Erwachsene frisst. Wenn wir eine in unserem Haus in München hatten, habe ich sie stets lebendig nach draußen geleitet. Denn mir ist völlig bewusst, dass Spinnen gute und wichtige Tiere sind – auch wenn das Ansehen der Spinnen nicht gerade hoch ist. Ich habe jede Gelegenheit genutzt, um diese faszinierenden Tiere besser kennen zu lernen und sie einfach mal zu beobachten. Während meines dienstlichen Aufenthaltes im Dschungel von Französisch Guyana habe ich erstmalig Vogelspinnen in freier Wildbahn gesehen. Als ich erfahren habe, dass diese für den Menschen nicht gefährlich sind (das Gift ist vergleichbar mit dem einer Biene/ Wespe), habe ich mich auch zum Beobachten näher heran getraut – aber stets aus sicherer Entfernung.

Nun stehe ich hier, vor gut einem Dutzend verschiedener Vogelspinnen und beobachte diese. Ganz behaglich ist mir dabei immer noch nicht. Schließlich sind diese Exemplare gut Handteller groß. Ich spüre, wie wieder dieses alte Gefühl hochkommen mag und ich unterdrücke es. Es ist unbegründet. Ein Teil von mir weiß es auch. Der andere Teil ist sich immer noch nicht ganz sicher, ob er das glauben soll…

Jetzt legen wir aber erst mal wieder die kleine Schlange in ihr Zuhause zurück. Enida kann es immer noch nicht fassen, dass sie gerade ihre erste Schlange in der Hand hatte. Immer noch leuchtende Augen, ein glückliches Lächeln und ein Kuss zur Belohnung.

„Kann ich auch mal eine Vogelspinne auf die Hand nehmen?“

WAAAAS?! Geht´s noch?! Wer hatte denn diese bescheuerte Idee? Ich schaue völlig verwirrt meine Maus an und will sie gerade fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat. Enida schaut MICH aber ebenfalls völlig verwirrt an. Buzz dreht sich zu mir und sagt nur locker: „Nur wenn Du sie nicht fallen lässt.“ So ein Scheiß. Jetzt wird mir erst klar, wer diese Frage gestellt hatte. Das war gar nicht Enida. Das war dieser dämliche „Stell-dich-deiner-Angst“-Teil in mir. Ohje, wie ich diesen gerade anfange zu hassen. Wieso Angst stellen? Manchmal ist das doch ganz gut, so wie es ist. – „Was bist Du denn für ein Weichei? Ist doch nur ne Spinne. Die tut Dir nix und schließlich willst Du Deine Angst überwinden. Außerdem ist sie völlig unbegründet!“ Der Schlagabtausch meiner beiden inneren Stimmen geht noch eine gefühlte Ewigkeit hin und her. In Wirklichkeit sind es aber nur wenige Sekunden bis die Entscheidung fällt. „Ich tu´s!“, sagte ich zu Buzz voller Entschlossenheit. Ich habe schon lange keine – für mich – große Grenze überschritten. Es wird also Zeit…

Buzz geht zu einen der Terrarien mit einer der größten Vogelspinnen. Er öffnet den Deckel. Seine bloßen Hände nähern sich der Vogelspinne. Mir wird heiß. Schweiß bildet sich auf meine Stirn. Meine Hände sind klatschnass. Ich wische sie an meiner Hose ab, damit die Spinne nicht in meinen Händen ertrinkt.

Enida spürt meine Aufregung. Gut, dafür muss man in diesem Moment weder Psychologe sein, noch mich gut kennen. Reines Anschauen reicht. „Dann gib sie doch mir zuerst auf die Hand“, sagte meine Maus plötzlich und streckte Buzz ihre Hände entgegen. Wie bitte?! Was´n jetzt los? Hat meine Maus denn gar keine Angst? „Nein Du Blödmann. Warum denn auch? Gibt es denn einen Grund, Angst zu haben?“ – Oh man, diese respektlose innere Stimme. Naja, wo sie Recht hat…

Buzz setzt Enida die Spinne auf die Hand und Enida ist ganz hin und weg. Noch mehr als bei der Schlange. Schon fast liebevoll hält sie dieses riesige Exemplar in der Hand und beobachtet sie fasziniert. So wie ich auch. Langsam läuft sie ein paar Schritte rüber auf Enidas andere Hand. Welch ein majestätischer Anblick. Erhaben. Stolz. Unbeeindruckt von ihrem Umfeld. Sicher. Schon fast vertraut. „Es ist wunderschön“, sagte Enida und schaut mich dabei glücklich lächelnd an. Sie streckt mir vorsichtig ihre Hand mit der Vogelspinne entgegen. Ich beobachte sie aus nächster Nähe. Sie schaut weich aus. Und überhaupt nicht aggressiv. Eher etwas schüchtern. Ich halte meine Hand neben ihre. Buzz hilft ein wenig nach, dass Madame ihren Weg auf meine Hand findet. Ihre Beine fangen sich an zu bewegen. Mein Puls steigt – und sie kommt zu mir herüber. Wow! Was für ein Gefühl! Passiert das gerade wirklich? Wie geil ist das denn? Gerade läuft eine ausgewachsene Vogelspinne auf meine Hand. Aus Angst wird Faszination. Mein Puls normalisiert sich wieder langsam… Sie ist wirklich ganz weich. Aber relativ schwer, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich bin überwältigt. Nach ein paar Minuten (gefühlten Stunden) ist es für mich auf einmal relativ normal und meine Angst ist soweit in den Hintergrund gerückt, dass sie kaum noch spürbar ist. Hammergeil! Als Buzz die kleine Vogelspinne wieder zu sich nehmen will, mag sie anscheinend nicht. Ihr gefällt es wohl auf meine Hand recht gut und sie hält sich fest. Erst jetzt spüre ich, dass sie in den samtweichen Füßen winzige Krallen hat, mit denen sie sich in der Haut festhält. Es tut überhaupt nicht weh, sondern ist eher, als wenn sie sich mit einer Art Klettverschluss an der Haut festhält. Ein sehr faszinierendes Gefühl.


Nach diesem Erlebnis spüre ich wieder so eine unbeschreibliche Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich das alles erleben darf. Dass ich das zusammen mit meiner Mausfrau erleben darf. Dass ich so eine naturverbundene und liebe Frau habe. Dass ich so eine liebevolle Frau habe, bei der ich auch mal der Angsthase sein darf, sie mir aber nicht das Gefühl gibt, einer zu sein. Dass ich wieder eine – für mich – große Grenze überschreiten durfte und wieder einen Teil „unbegründete Angst“ ablegen konnte. Denn Leben bedeutet Wachstum. In der Natur gibt es nur zwei Richtungen: Entweder man wächst, dann lebt man. Oder man hört auf zu wachsen und fängt an abzusterben – bis hin zum Tod. Daher freue ich mich jedes Mal, wenn ich eine neue Grenze überschreiten darf und die Möglichkeit erhalte, wieder ein Stück weiter zu wachsen.

Nach diesem hammergeilen Erlebnis geht es weiter Richtung Pecos.

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Als wir an unserem Tagesziel - dem Walmart in Pecos – ankommen, glauben wir nicht, was wir hier sehen. Der Parkplatz ist rappelvoll. Und wer schon mal einen Walmart-Parkplatz gesehen hat, der weiß, dass das fast unmöglich ist. Selbst die Autos parken schon auf der Straße (!) und so versuchen wir erst gar nicht, einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir entschließen uns kurzfristig, unser Tagesziel zu erweitern und wollen noch ca. 2 Stunden weiter nach Carlsbad, New Mexico fahren.

Neben einer neuen Staatsgrenze, überschreiten wir auch eine neue Zeitzone und befinden uns jetzt auf Minus 8, statt Minus 7 Stunden zu Deutschland.

Was uns wohl die ganzen Einschusslöcher im „Welcome to New Mexico“ Schild sagen sollen? Wir merken jetzt deutlich, dass wir immer mehr in Richtung des „Wilden Westen“ kommen.

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Das war unsere heutige Strecke:

27.11.2014_Fahrt_nach_Carlsbad

 

>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

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5 thoughts on “Umzingelt von Vogelspinnen und Klapperschlangen”

  1. Guten Rutsch ins neue Jahr - Ihr habt ja noch fast einen halben Tag Zeit, das alte Jahr Revue passieren zu lassen.
    Ganz schön gruselig, Eure Reptilienerlebnisse. Was für eine große Spinne! Aber ich gestehe, dass wir auch jede Gelegenheit nutzen, uns solche Tierchen aus der Nähe anzusehen - natürlich nur hinter Panzerglas 🙂 In den NP's, SP's und RP's des Südwestens ist das ja relativ häufig möglich, da Arizona-Sonora Desert Museum war insofern auch ganz spannend - aber natürlich nix angesichts Eurer Erlebnisse in Buzz "Museum".
    Viele Grüße aus Berlin, wo seit Stunden die Polenböller die Stadt in Schutt und Asche zu legen scheinen - zumindest hört es sich so an ...

    1. Hallo nach Berlin 🙂 Vielen lieben Dank für die Neujahrsgrüße! Wir waren einige Tage komplett abgeschottet von der Zivilisation, daher können wir erst heute antworten... Aber wir möchten auf keinen Fall versäumen, Euch ebenfalls alles Gute zu wünschen. Mögen sich alle Eure Wünsche für 2015 erfüllen! Und wir möchten uns ganz herzlich für Eure Treue bedanken! Wenn wir nicht so tolle Leser wie Euch hätten, würden unsere Reiseberichte nur halb so viel Spaß machen. DANKE! DANKE! DANKE! Bleibt gesund, passt auf Euch auf und genießt Euer Leben! Sonnige Grüße aus dem wunderschönen Mexiko 🙂

      1. Schön zu lesen, dass es Euch gut geht und Ihr im wunderschönen und sonnigen Mexico weilt. Hier ist es leider weniger schön und vor allem gar nicht sonnig. Da käme eine Fortsetzung des Erlebnisreiseberichts gerade recht, um die Stimmung etwas aufzuhellen...
        Viele Grüße in die Sonne!

          1. Danke, schon "inhaliert"! Und natürlich Glückwunsch an die immer wieder frisch gebackenen Junior Ranger 🙂 .
            Liebe Grüße.

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