Gerammt und beklaut – eine Horrornacht

Was für ein Tag. Es ist Karneval und La Paz ist in angenehmer Feierlaune – doch für uns soll der Tag alles andere als gut enden…

Nachdem wir gestern etwas länger auf waren, bleiben wir heute dementsprechend auch länger im Bett. Man muss ja nichts übertreiben und eine Reise soll ja nicht in Stress ausarten 😉

Außerdem ist heute mal wieder ein Organisationstag angesagt. Wir entscheiden uns, getrennte Wege zu gehen, zumindest für heute 😉 Enida macht Klarschiff im Wohnmobil und ich schwinge mich auf´s Motorrad und mache einige Besorgungen. Unter anderem kümmere ich mich heute wieder um unser Sorgenkind: den Monitor der Rückfahrkamera. Ich fahre kreuz und quer durch La Paz und von einer Werkstatt-Empfehlung zur nächsten und bin letztendlich…

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... leider trotzdem nicht erfolgreich. Es scheitert an einem winzigen Ersatzteil, was ca. € 5,- kostet, aber keiner bestellen kann. Es ist zum Haare raufen…

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Wenigstens kann ich heute eine gute Tat vollbringen und Erste-Hilfe leisten: Eine junge Frau ist am Bordstein umgeknickt und liegt mit Verdacht auf eine Knöchelfraktur mit Schmerz verzerrtem Gesicht vor mir. Ich versuche in der gegenüber liegenden Apotheke Eisbeutel zu bekommen – Fehlanzeige. Also renne ich zum Supermarkt und besorge dort Eis, um den Knöchel der Patientin zu kühlen, bis der Rettungsdienst kommt. Eine Anwältin, die ihre Praxis in der Nähe hat, findet es sehr rührend, wie ich mich um die verletzte Frau kümmere und bietet mir spontan ihre Hilfe an, sollte ich mal anwaltlichen Rat benötigen. Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, wie sehr ich in einigen Stunden einen Anwalt brauchen werde…

Unterwegs erblicke ich wieder einen „heißen Käfer“. Er ist so heiß, dass ich gleich anhalten muss, um ein Foto zu machen 😉

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Kurz vor Sonnenuntergang bin ich wieder am Wohnmobil und Fred glänzt von innen. Wir wollen noch etwas am Blog und am Podcast arbeiten, also schwingen wir uns wieder auf´s Mopped, reiten zum nächsten Burger King und bleiben dort bis 01:00 Uhr Nachts. Warum wir bis 01:00 bleiben? Ganz einfach: weil sie uns dann endgültig rauswerfen 😉

Also wieder zurück zu Fred. Es ist eine schöne, lauwarme Nacht und wir genießen die Rückfahrt durch die fast leeren Straßen von La Paz.

Gegen 02:30 liegen wir letztendlich in der Heia und quatschen noch ein bisschen, bis wir um 03:00 das Licht ausmachen und unsere (vermeintliche) Nachtruhe genießen wollen.

Wenige Minuten später passiert es.

BÄÄHHMM!!! – unser Wohnmobil wackelt.

Wir schrecken auf. Jemand hat uns von hinten sehr unsanft angerempelt.

„Idiot“, denke ich mir, „Vorwärts- und Rückwärtsgang verwechselt.“ Doch ich werde eines besseren belehrt. Ich setze mich auf die Bettkante und will rausgehen, um mir den Schaden anzuschauen. Der Motor des Wagens hinter uns heult auf.

BÄÄHHMM!!! Es knallt erneut und das Wohnmobil wackelt in alle Richtungen. Dieser Schlag war härter als der erste.

Jetzt fange ich langsam an zu realisieren, dass das Rammen vermutlich kein Zufall war.

„Was ist los?“, schreit Enida.

„Keine Ahnung! Raus aus dem Bett, fahr den Slide ein und komm nach vorne!“, antworte ich ihr. Ich versuche mich in dem stark schwankenden Wohnmobil ins Fahrerhaus zu bringen.

BÄÄHHMM!!! Es knallt ein Drittes Mal.

Spätestens jetzt ist klar, dass es jemand auf uns abgesehen hat und ich weiß nicht was als nächstes passieren wird. Ich habe es noch nicht geschafft, aus dem Schlafzimmer raus zu kommen, weil Fred zu sehr wackelt. Es ist wie ein Schiff auf hoher See. Der Motor heult erneut auf.

BÄÄHHMM!!! Es knallt ein viertes Mal. Wieder schaukelt Fred in alle Richtungen.

Ich bin mittlerweile aus dem Schlafzimmer raus und Enida ist bereit, den Slide einzufahren. Ich will nur nach vorne, um den Motor zu starten und uns in Sicherheit zu bringen. Der Motor heult erneut auf.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein! Was soll die Scheiße!“, fluche ich laut. Ich erreiche das Führerhaus, reiße den Vorhang auf und in dem Moment fährt das andere Fahrzeug an uns vorbei. Die Insassen grölen laut aus den Fenstern und hupend fährt der Pick-up Truck auf die Kreuzung zu. Ich schnappe mir den Fotoapparat, in der Hoffnung, ein Foto vom Fahrzeug und Kennzeichen bekommen. Doch ich bin zu langsam. Der Wagen flieht mit quietschenden Reifen und biegt 10m weiter an der Kreuzung links ab.

„Scheiße! Die hauen ab!“, rufe ich Enida zu. Ich weiß nicht wie groß der Schaden ist. Mein Herz rast. Ich bin voll mit Adrenalin und mein Innerstes hat sich auf „Angriffsmodus“ umgestellt.

„Ich pack sie mir und mach ein Foto vom Wagen! Geh du vor zu Kreuzung und hol die Polizei! Nimm Pfefferspray und Funk mit!“, rufe ich zu Enida und sie bestätigt. Ca. 15 Sekunden nachdem der Truck an der Kreuzung verschwunden ist, sitze ich auf dem Motorrad und fahre hinterher. Bekleidet mit einer Shorts, Badeschlappen, Helm und Kamera. Vermutlich ein skurriler Anblick.

Ich fahre die Straße Richtung Süd-West. So ein dicker Pick-up Truck mit aufgesetzter Kabine wird ja nicht zu übersehen sein.

Erster Blick als ich links abbiege: nichts.

Verdammt.

Ich überhole viele Autos. Ich fahre viel zu schnell. So wie viele andere auch. Mit dem Unterschied, dass die anderen zum Großteil stark alkoholisiert sein dürften. „Bitte fahre immer vorsichtig. Ich brauche Dich doch“, schießen mir Enidas Worte durch den Kopf. Ich drossle die Geschwindigkeit ein wenig. Aber nur ein wenig. Irgendwo muss doch dieser verdammte Truck sein! Meine Blicke gehen in die Seitenstraßen. Nichts. Ich werde von einem Auto überholt, was locker 100km/h fährt – innerorts!

„Fahr bitte immer vorsichtig“, sehe ich wieder meine Maus vor mir, wie sie es mir schon unzählige Male sagte.

„SCHEISSE! Meine Maus ist alleine!!!"

Was ist, wenn das nur ein Ablenkungsmanöver war, um uns aus dem RV zu locken und das Wohnmobil zu klauen?! Was ist mit meiner Maus?!

Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ich IDIOT!

Ein Blick in den Spiegel. Schulterblick. Jetzt keinen Fehler machen. Vollbremsung und 180° Wende. Nichts wie zurück zu meiner Maus. Scheiß auf die Idioten.

„Wenn die meiner Maus was antun bring ich die um – jeden Einzelnen, ganz langsam“, sind meine Gedanken während meiner Rückfahrt. Keine Ahnung wie viele Autos ich auf der Rückfahrt überhole. Ich brauche eine gefühlte Ewigkeit, bis ich wieder an der Kreuzung bin wo unser Wohnmobil steht. Ich kann es kaum erwarten, um die Ecke schauen zu können, in der Hoffnung, dass Fred noch dort steht – und am besten auch die Polizei und meine Maus. Noch 20m. 10m. Erst jetzt fange ich an zu bremsen und fahre ums Eck.

Da steht Fred! Perfekt.

Aber wo ist Enida?

Ich stelle die Honda neben Fred ab, will gerade ins Wohnmobil, um zu schauen ob Enida drin ist, als sie um die Ecke gerannt kommt. Ich bin unendlich erleichtert meine Maus zu sehen und sie in den Arm zu nehmen.

„Sorry, nicht erwischt“, sage ich zu ihr.

„Die Polizei ist weg. Nirgendwo ist mehr Polizei. Kein einziger Polizist weit und breit. Wo sind die alle? Gerade waren doch noch hunderte überall“, haspelt Enida und ihre Stimme überschlägt sich. Ich bin immer noch auf Alarmstufe „Rot“ und scanne unsere Umgebung permanent ab. Ist hier irgendwas anders als sonst? Ich kann nichts feststellen.

Wir gehen ins Wohnmobil und holen die Lampen. Nachdem wir die Schweine nicht gefunden haben, und die vermutlich auch nicht gefunden werden können, wollen wir uns den Schaden am Wohnmobil anschauen. Wir rechnen mit dem Schlimmsten…

Auf den ersten Blick sehen wir – nichts!

Ungläubig schauen wir uns das gesamte Heck unseres Wohnmobils an und können erst mal absolut nichts feststellen. Doch das ist unmöglich! Auf den zweiten Blick stellen wir einen leichten Schaden am Motorrad-Träger fest. Doch dieser besteht aus ein paar Kratzern und ein paar Schleifspuren an den dicken 40mm starken Stahlrohren. Ich grinse. Innerlich fange ich an mich zu freuen. Ich lache sogar und Enida fragt was mit mir los ist. „Ich stell mir gerade vor, wie deren vordere rechte Seite vom Auto aussehen muss. Der Träger hat denen garantiert die komplette Front aufgerissen.“ Jetzt grinst Enida auch. Schadenfreue ist doch was Schönes 🙂

Wir begutachten Fred weiter. Gibt es sonst noch Schäden? Dann sehen wir, dass er auf der linken Fahrzeugseite mit Graffiti beschmiert wurde. Na klasse. Vermutlich haben die Angreifer sich erst noch verewigt, bevor die uns rammten. Wir schauen uns das Graffiti genauer an und atmen auf. Es ist keine Lackfarbe, sondern lediglich eine Art Wachsmalstift, welchen wir relativ leicht entfernen können. Wir sind erneut erleichtert.

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Sollen wir echt so gut „davon gekommen“ sein? Schaut so aus. Wir sind wirklich erleichtert. Auch nach einer erneuten Runde und genauer Inspektion ums Wohnmobil stellen wir keine weiteren Schäden fest. Nur die Motorrad-Halterung hat ein paar Kratzer abbekommen. Wir atmen richtig auf. Doch unser Puls beruhigt sich nicht.

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Es ist mittlerweile 04:30 Uhr und wir sind immer noch hellwach. Wir überlegen, was wir jetzt tun können oder sollen. An Schlaf ist gerade nicht zu denken, dafür sind wir zu aufgedreht. Wir müssen darüber reden. Wir entschließen uns dazu, ein kurzes Video aufzunehmen, über das was gerade passiert ist. Gesagt getan. Das Video dauert ca. 3 Minuten.

Wir gehen kurz ums Eck. Nur ca. 30m vom Wohnmobil entfernt, wo wir das WiFi eines Geschäftes nutzen können. Wir stellen schnell fest, dass das Video zu groß ist und das Hochladen Ewigkeiten dauert. Nach ca. 30 Minuten, und gerade mal 15% Upload entscheiden wir uns, ein neues und kürzeres Video aufzunehmen. Diesmal ist es nur eine Minute. Das sollte passen. Also wieder zurück zum Shop. Es ist mittlerweile 05:30 und wir sind immer noch hellwach. Der Upload vom neuen Video ist zwar auch langsam, aber da das Video deutlich kleiner ist geht es schneller.

Plötzlich kommt von Westen ein Auto mit 4 Personen, fährt fast an uns vorbei, bremst, fährt rückwärts und bleibt etwa 10m von uns entfernt stehen. Motor und Licht bleiben an, worüber wir uns aber noch keine Gedanken machen. Der Fortschritt beim Video zeigt endlich 90% an. Gleich ist es endlich hochgeladen. Plötzlich fährt der mysteriöse Wagen rasant los. Aus dem Wagen wird irgendwas in unsere Richtung gegrölt, einer zeigt in unsere Richtung, schreit uns etwas Unverständliches auf Spanisch zu und mit lauten Lachen verschwindet der Wagen ebenso wie er gekommen ist. Enida & ich schauen uns nur an und denken uns unseren Teil. Da der Wagen in die Straße abbiegt wo Fred steht, schau ich mal um die Ecke- nicht dass die Deppen auch was an unserem Wohnmobil machen. Wir sind in diesem Bezug gerade etwas sensibel. Ein Blick ums Eck verrät mir, dass Fred noch da steht und das Auto weg ist. Irgendwas ist zwar komisch, aber das ist vermutlich einfach dieses blöde Gefühl.

Ich gehe zurück zu meiner Maus und in der Zwischenzeit war das Video fertig hochgeladen.

Hier ist es:

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„Lass zum Wohnmobil gehen. Irgendwie fühle ich mich hier unwohl“, sage ich zu meiner Maus und wir gehen rüber. Als wir auf Fred zugehen bin ich heilfroh, dass diese Nacht bei der Ramm-Aktion nichts Schlimmeres passiert ist. Ich hole den Schlüssel raus, um Fred aufzusperren und plötzlich stockt mir der Atem.!

„Hallo?! Mopped?!“, frage ich laut.

Mir wird auf einmal richtig schlecht.

„Das gibt´s doch nicht! Wo ist die Honda?!“, fragt Enida schockiert.

Wir schauen uns an und laufen wie aufgescheuchte Hühner um Fred, in der Hoffnung, dass wir irgendwas von unserem Mopped sehen würden.

Scheiße! Scheiße! Scheiße! Das darf doch nicht wahr sein. Erst das Rammen und jetzt DAS? Das ist doch hoffentlich nur ein schlechter Scherz! Oder doch nicht?

Wir laufen vor zur Straße und halten das nächste Auto an, mit der Bitte die Polizei zu rufen. Der erste Wagen stoppt sofort, versteht die Situation, nimmt sein Handy – und stellt fest, dass sein Akku leer ist.

Verdammt. Wir verlieren Zeit. Wenn es eine Chance geben soll, um unser Mopped wieder zu bekommen, dann muss sofort gehandelt werden. Wenn erst mal mehrere Stunden oder womöglich Tage vergangen sind, dann sind die Chancen so gut wie Null…

Blöderweise ist es frühester Morgen während des Karneval. Es ist kaum noch ein Mensch/ Auto auf der Straße. Wir warten gefühlte Stunden, in Wirklichkeit vermutlich nur 5-10 Minuten, bis das nächste Auto kommt. Es hält an und der Fahrer ruft die Polizei. Die wollen unsere Telefonnummer, welche wir aber nicht haben. „Ohne Telefonnummer wollen die nichts machen“, machte uns der Anrufer klar. Wir erklärten ihm, dass wir Deutsche, und nur zu Besuch in La Paz sind. Plötzlich geht es auch ohne Telefonnummer. Er sagt uns, dass die Polizei unterwegs sei und in ca. 5-10 Minuten hier sein wird. Wir sind beruhigt. Ein kleiner Lichtblick. Wir bedanken uns sehr und verabschieden uns bei unserem Helfer.

5 Minuten...

10 Minuten…

15 Minuten…

20 Minuten…

30 Minuten... Keine Polizei.

Wir sind sauer und verzweifelt. Ich hole unsere Funkgeräte und schnappe mir unsere Kamera. Der (verzweifelte) Plan schaut so aus: Ich jogge die umliegenden Straßen ab, frage Nachbarn, Hunde-Gassi-Geher, Straßenfeger usw. und zeige das Foto vom Motorrad. Enida bleibt an der Kreuzung beim Wohnmobil und wir sind im Minutenrhythmus im Funkkontakt.

40 Minuten...

50 Minuten…

„Mausmann, Mausmann, die Polizei ist hier! Die Polizei ist hier!“ höre ich über Funk.

„Verstanden. Bin 3 Blocks südlich. In zwo Minuten bei Dir.“ Lautet meine Antwort und ich laufe zügig zurück zu meiner Maus. Es ist zum Glück noch früh und nur ca. 23°C warm, somit ist das Laufen recht erträglich.

Der Polizist nimmt die Daten vom Motorrad auf, zumindest erst mal Marke, Modell, Farbe, Kennzeichen und gibt diese über Funk an die Leitstelle weiter, welche diese wiederum gleich an alle Streifen weitergibt. Na endlich. Wir hoffen, dass das auch tatsächlich getan wird, glauben aber irgendwie nicht wirklich dran. Mittlerweile sind fast 1,5 Stunden seit dem Diebstahl vergangen und ich habe nur noch eine geringe Hoffnung. Der Polizist sagt uns, dass wir auf jeden Fall noch zum Polizei Präsidium in La Paz fahren müssen, um dort einen Polizei-Report erfassen zu lassen und um eine Anzeige zu erstatten.

Wir bereiten Fred für die Abfahrt vor und ziehen uns noch kurze Sachen an, da es jetzt schnell richtig warm wird. Denn aus der Nacht haben wir immer noch lange Hosen an. Zwar ist es auch nachts so um die 18°C bis 20°C, jedoch wirkt es durch den leichten Wind deutlich kühler.

Hier seht ihr den Ort des Geschehens und Fred, wie er alleine, ohne das Motorrad da steht.

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­ Wir machen uns auf den Weg zum „Ministerio Publico“, dem Polizeipräsidium und dem Ministerium für Sicherheit. Die Parkplatzsuche wird mit Fred zum Abenteuer. Gegen 07:30Uhr haben wir einen Parkplatz in der Nähe und laufen rüber. Mit gemischten Gefühlen lassen wir Fred alleine auf der Straße stehen. Irgendwie trauen wir gerade niemandem. Als wir das Gebäude betreten befinden wir uns im EG. Hier ist das Polizeipräsidium und wir melden uns dort bzgl. des Diebstahls. Zum Glück lässt sich schnell ein Polizist finden, der einigermaßen Englisch spricht. Er nimmt den Report auf und sagt, dass wir jetzt nach oben zum Ministerium müssen.

Oben angekommen finden wir drei Personen vor. Wie sich später herausstellt, waren es Mitarbeiter des Ministeriums. Auf unsere Frage, ob jemand Englisch spricht, erhalten wir zweimal ein Nein und eine nette junge Dame verdreht genervt die Augen und schaut einfach nur weg. Es gibt sie hier also auch. Hochmotivierte, freundliche und hilfsbereite Beamte :/

Nachdem wir hier keinerlei Unterstützung erhalten, gehen wir wieder runter zur Polizei und bitten den Polizisten zum kurzen dolmetschen. Jason, der Polizist, kommt mit nach oben. Wir erfahren, dass wir, um eine Strafanzeige zu erstatten, einen Dolmetscher und einen Rechtsanwalt mitbringen müssen. Na klar… sicher doch. Selbst Jason verdreht die Augen und gibt uns zu verstehen dass es so gemacht werden muss wie die es wollen und er keinen Einfluss hat. Sie seien der Polizei weisungsbefugt. Die Beamtin, welche uns diese Info gab, war übrigens die nette junge Dame, die anfangs ihre Augen verdrehte und uns so nett ignorierte. Na ja, das kann ja noch heiter weiter…

Genervt ziehen wir von dannen und machen uns wieder auf den Weg.

Mir fällt sofort die Anwältin von gestern ein. Sie hatte mir, nachdem ich die Patientin mit der Knöchelverletzung versorgt hatte, ihre Hilfe angeboten. Da sie perfekt Englisch und Spanisch spricht, wäre sie als Dolmetscherin super geeignet.

Obwohl Sonntag ist, habe ich eine kleine Hoffnung, die Anwältin in ihrem Büro vorzufinden. Oder zumindest ihre Telefonnummer am Firmenschild zu sehen. Leider Fehlanzeige. Alle Büros sind geschlossen. Nur ein junger Mann, der dort putzt, ist noch da. Er spricht uns in fließendem Englisch an und nachdem er gehört hat, was passiert ist, bietet er uns seine Hilfe an. Wir sollen um 14:30 Uhr noch mal kommen, dann hätte er Feierabend und würde mit uns zum Ministerio Publico fahren.

In der Zwischenzeit fahren wir zu einer Fastfoodkette, um dort ins Internet zu kommen und ein paar organisatorische Dinge zu regeln.

Dort angekommen nehmen wir deutsche Stimmen neben uns wahr und kommen gleich ins Gespräch. Wir lernen Jörg und Frank kennen, die beide schon länger in La Paz wohnen. Wir erzählen unsere Story und die beiden helfen sofort. Wir bekommen den Hinweis, dass uns die Versicherung bei der Anzeige sicherlich helfen wird. Jetzt frage ich mich gerade, warum wir da nicht selbst drauf gekommen sind. In Deutschland ist das ja auch eins der ersten Dinge, bei einem Unfall/ Vorfall unverzüglich die Versicherung zu informieren…

Das nächste Angebot ist noch besser: Jörg bietet uns an uns mit Fred an sein Grundstück zu stellen. Wasser, Strom und Internet wäre da und wir seien herzlich willkommen um alles in Ruhe klären zu können. Auch sein Auto könnten wir haben, damit wir nicht mit Fred in die Stadt fahren müssen. – Wir können es kaum glauben und sind völlig begeistert.

Wie telefonieren mit der Versicherung und haben um 15:00 einen Termin mit einem Vertreter beim Ministerium. Warum nicht gleich so? 😉

Der junge Mann, der sich beim Büro der Anwältin als Dolmetscher angeboten hatte, war zum verabredeten Zeitpunkt nicht mehr dort. Wir erfahren, dass er heute eine halbe Stunde früher Feierabend gemacht hat und schon weg sei. Naja, was soll´s…

Wir fahren wieder zum Ministerio Publico.

Unser Versicherungsvertreter trifft mit nur mit 30 Minuten Verspätung ein. Gar nicht schlecht für mexikanische Verhältnisse 😉

Wieder bei der netten Dame in Zimmer 8, erfahren wir erneut, dass wir einen Anwalt und Dolmetscher brauchen. Wir fragen nach warum das so sein muss, da der Versicherungsvertreter Englisch spricht und alles übersetzen kann. Außerdem seien wir nicht von hier und hätten keinen Anwalt. Wir wollen einfach nur JETZT diese verdammte Strafanzeige stellen. Nicht mehr. Nicht weniger. Anscheinend merkt die nette Dame, dass sie heute doch arbeiten muss und auf einmal brauchen weder Anwalt noch Dolmetscher. Nach 15 Minuten ist alles fertig und wir halten unsere Strafanzeige in der Hand. Warum nicht gleich so 😉

Jetzt machen wir uns auf die Suche nach Jörg und Frank. Eine Adresse konnten uns die beiden nämlich nicht geben, da es keine richtige Anschrift gibt – so ist es eben teilweise in Mexiko 😉

Wir folgen der Beschreibung und kommen 20 Minuten später bei den beiden an. Jörg hat uns schon vorgewarnt, dass wir keine Angst vor Hunden haben sollten, denn davon haben sie aktuell 7 (sieben!) im Haus.

Warum das so ist, sie teilweise bis zu 15 (!) Hunde haben und warum Enida sich erneut verliebt, gibt es im nächsten Blog.

Ein super aufregender Tag neigt sich dem Ende und wir fallen heute sehr früh ins Bett. Schließlich haben wir letzte Nacht kein Auge zugemacht…

Ach ja, und natürlich dürft Ihr Euch auf den ausgebliebenen Karnevalsumzug mit fantasievollen, bunten und tropischen Kostümen an heißblütigen Mexikanerinnen freuen…;)


>>> So hat alles angefangen: 1 bis 2 Jahre Nordamerika – die Idee

Hier geht es zum vorherigen Beitrag: Karneval in Mexiko – wir werden Zeuge einer Explosion inmitten einer Menschenmenge

Hier geht es zum nächsten Beitrag: Reward: 500 US$/ Recompensa 8.000 M.N.- Motorrad geklaut / Motorbike stolen (15.02.2015) La Paz, Baja California, Mexiko

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12 thoughts on “Gerammt und beklaut – eine Horrornacht”

  1. Hi, Ihr Zwei.
    Ich bin ja immer wieder, wenn ich in unregelmäßigen Abständen auf Eurem Nordamerika-Reise-Blog vorbeischaue, erstaunt, daß Ihr mit Euren Einträgen vier Monate hinterherhinkt. Angesichts der Tatsache, daß Ihr hier online kein Tagebuch, sondern einen Reisebericht pflegt - den ich jedes mal gerne ein Stückchen weiterlese - und Ihr gefühlt etwa 1 x pro Woche weiterreist laßt Ihr es entweder beneidenswert entspannt angehen, oder Ihr seit Tag für Tag engagiert beschäftigt.
    So, ganz klar ist, daß beklaut zu werden natürlich Kacke ist, garkeine Frage. Allerdings erschließt sich mir nicht ganz Eure Logik:"Schweinerei, was fahren diese Vollidioten ihren Pickup wiederholt gegen unser Wohnmobil? Ich glaube ich muß jetzt erstmal ein YouTube Video hochladen." Die Sinngebung darin kann ich nicht nachvollziehen.
    Und außerdem ist hier ein Gedanke für Euch: Ihr schreibt immer wieder darüber wie sich Euch Schicksal/Fügung/Bestimmung Eures Empfindens nach darstellen. Nun, des "Teufel's Advokat" mag dazu einfallen, daß der Diebstahl Eures Motorrades ein Wink des Schicksals war, bzgl. Eurer - milde formuliert - Erschleicherei geldwerter Vorteile mit fragwürdigen Methoden - fragwürdig, weil Ihr nicht mal im Ansatz erklärt wie Eure Gratis-Masche funktioniert (ohne dabei Euer Methodengeheimnis offenzulegen) womit gleichzeitig der Eindruck erweckt wird, es kann nicht rechtmäßig und legal sein. Selbst wenn Ihr in der Grauzone des "nicht ausdrücklich illegalen" handeln solltet (Konjunktiv!), dann bringt Ihr trotzdem zunächst einmal Gewerbetreibende um ihren Verdienst, denn - und da ist nochmal das Argument der Undurchsichtigkeit Eurer Methode - es ist nicht ersichtlich, wie ein Anbieter/Händler/Gastronom von Euch trotzdem profitieren kann, wenn Euch kostenlos Leistungen erbracht werden.
    Nix für ungut und weiterhin gute Reise.

    1. Hallo Theo,

      danke für Deinen Kommentar. Auch besonders für Deine offenen Worte.
      Du legst Deinen Finger gerade echt in eine Wunde. Nämlich dem Hinterherhinken unserer Berichte 😉 Deine Vermutung ist richtig, dass wir es, insbesondere während unserer Zeit in Mexiko, sehr entspannt haben angehen lassen. Und das haben wir echt genossen 😉 Trotzdem plagte uns immer wieder ein klein wenig unser schlechtes Gewissen, da wir sogar öfters Mails bekommen nach dem Motto: „Lebt ihr noch?“ Auf der einen Seite wollen wir aufholen, auf der anderen Seite wollen wir uns keinen Stress machen. Daher bewegen wir uns auf dem Mittelweg. Aktuell haben wir auch bessere Internetverbindung, so dass der Upload schneller geht. Lass Dich also überraschen bzgl. der neuen Artikel 😉

      Ja, beklaut zu werden ist ziemlich beschissen. Das kannst Du laut sagen. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist (was ich persönlich als Vorwurf/ Unterstellung empfinde) Dein Satz mit „Erschleichung geldwerter Vorteile mit fragwürdigen Methoden“. Du hast völlig Recht, dass wir nicht (kostenlos) verraten wie wir das machen. Ich weiß jedoch Deine Bedenken und die konstruktive Kritik (sogar im Konjunktiv ;)) sehr zu schätzen. Und genau deshalb werde ich auch gerne dazu kurz Stellung nehmen.

      Sämtliche Dinge, welche wir kostenlos erhalten, finden im gegenseitigen Einverständnis statt. Die Veranstalter/ Hotels/ Freizeitparks sind froh und dankbar dafür, dass diese uns einladen dürfen und wir dort unsere Zeit verbringen. Hört sich vielleicht etwas komisch an, ist aber so 😉 Denn unsere Strategien begründen sich auf Win-Win-Situationen für BEIDE Seiten. Und das ist uns sehr wichtig. Genau diese Sichtweise gebe ich auch mehr als deutlich in unserem Produkt, dem „geheimen Urlaubs-Schnäppchen-Report“ an meine Kunden weiter, wo ich alle Strategien im Detail erkläre. Keine der genannten Strategien sind illegal, fragwürdig und noch nicht mal in der Grauzone. Ich kann Dir also in aller Ehrlichkeit versichern, dass die „Leistungsträger“ (Hotels, Veranstalter usw.) definitiv von unseren Strategien profitieren und wir auch völlig offen mit denen darüber kommunizieren. Denn sonst würden sie es nicht machen 😉
      Der Grund, warum wir diese Infos nicht kostenlos rausgeben ist ganz einfach.

      1. Es einfach nur grob anzusprechen „ohne dabei unser Methodengeheimnis offenzulegen“, könnte einige auf den Pfad bringen, es wirklich als „Erschleicherei“ anzuwenden und so den Gewerbetreibenden zu schaden und keine Win-Win-Situation herzustellen. Daher gehen wir überhaupt nicht darauf ein und werden es auch künftig nicht tun.

      2. Diese Strategien beinhalten sehr viel Wissen und wir haben Jahre gebraucht, bis wir diese wirklich „rund“ machen konnten, so dass diese unseren (nicht nur ethischen) Anforderungen entsprechen. Und ich glaube, es ist völlig legitim, für sein Wissen (Produkt), welches anderen Vorteile bringt, Geld zu verlangen und dieses zu verkaufen.

      Gerne kannst Du auch unsere Kunden, welche auf der Website genannt sind, anschreiben und nach deren Erfahrungen fragen. Denn bei uns sind alle „Testimonials“ auch wirklich „echte Kunden“, welche uns ihr Statement freiwillig und ohne Gegenleistung gegeben haben. Bisher gab es auch keinen einzigen (!) unzufriedenen Kunden. Ganz im Gegenteil. Wir erhalten oft E-Mails von Käufern, die von den Strategien völlig begeistert sind und eben auch davon, dass es sich für beide Seiten sehr lohnt.

      Ich hoffe ich konnte Dir Deine Bedenken, wenigstens ein wenig, nehmen 😉

      Sonnige Grüße aus Kalifornien,
      Tom

  2. Hallo Ihr Beiden,

    das wird schon! Die Versicherung hat ja ein großes Eigeninteresse:-) Wir hatten auch schon öfter mit solchen Idioten zu kämpfen, allerdings haben wir ein Armeefahrzeug, da trauen sich nicht ganz so viele ran!

    gute und sichere Reise
    Astrid
    http://www.rightbeyondthehorizon.com
    Ps: kauft euch SIM Karten vom jeweiligen Land. A) hat Ihr mobiles Internet und B) könnt Ihr im Notfall telefonieren! Wir speichern immer die Nummer der jeweiligen Deutschen Botschaft ein. Auf die hab ich zwar gerade einen richtigen Haß, aber trotzdem!

    1. HI Astrid,
      danke für Deinen Kommentar. Wir lassen uns schon nicht unterkriegen 😉 Danke auch für Eure Tipps.
      Sonnige Grüße,
      Tom

  3. Hi ihr Zwei!
    Habe selten so viel Spaß beim Lesen gehabt. Natürlich freue ich mich, dass euch selbser nichts passiert ist. Das ist ja Abenteuer pur, was ihr so erlebt. Haben eure Seite gerne abonniert und lassen mal ganz liebe Saludos da.

    Sara & Schorsch
    LosTimeCatchers viajando por Andalucia

    1. Hi Sara & Schorsch,
      danke für Euren Kommentar und das Lob 🙂 Freut und natürlich sehr und viel SPaß weiterhin beim Lesen.
      Hasta luego,
      Tom

  4. Hallo
    Wir waren nicht vor Ort und können die Fahrlässigkeit nicht beurteilen. Wir warnen davor, überhaupt ein Fahrzeug ungesichert irgendwo abzustellen. Gott sei Dank ist Euch nichts weiter als ein materieller Schaden entstanden. So etwas wird Euch so schnell nicht wieder passieren. Euer Schutzengel wird weiter auf Euch aufpassen. Genießt das Land.
    Gruß Travel-Cycle Team

    1. Hallo Travel-Cycle, vielen Dank für Euren Kommentar. Ja, wir sind auch sehr froh, dass unser Schutzengel Überstunden gemacht hat und natürlich haben wir die Sicherheitsmaßnahmen dementsprechend angepasst. Dennoch möchten wir betonen, dass das nichts mit Mexiko zu tun hat. Wir haben 5 wunderschöne Monate in dem Land verbracht und hatten nur mit netten und freundlichen Menschen zu tun. Das mit dem Motorrad hätte uns überall passieren können... Danke für Eure lieben Wünsche, wir freuen uns, wenn Ihr uns als Leser weiterhin treu bleibt 🙂
      Liebe Grüße von uns Beiden 🙂

  5. whow, was für eine Story! Habe Euren Blog gerade über einen link bei FB gefunden...
    Aber ermutigend, dass Ihr Euch den Urlaubsspaß trotzdem nicht verderben lasst!
    Ich werde Euch weiter folgen, gleich mal gucken, wie man Follower werden kann...
    Mexico war ich noch nie und bin gespannt, wie es weiter geht...
    Schönen Urlaub noch und viel Erfolg mit der Versicherung und co...

    1. Liebe Mona, vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir freuen uns sehr, wenn Du uns als Leserin treu bleibst. Wenn Du magst, trage Dich einfach als Follower hier ein, dann bekommst Du automatisch eine E-Mail, wenn ein neuer Beitrag veröffentlicht wurde: http://eepurl.com/bgIvPH
      Liebe Grüße an Dich und alles Gute 🙂

  6. Oh Mann, was für eine Story!
    Bei mir wollten sie diese Woche auf dem Ministerio Publico zwar keinen Anwalt und Dolmetscher, aber dafür hat das Aufnehmen der Anzeige fast 3h gedauert statt 15 Minuten. Und bei mir ging es nur um einen kleinen Vandalismus-Schaden, hahaha.
    Hoffe mit der Versicherung klappt alles, damit Ihr bald Euer Geld für die Honda bekommt.
    Liebe Grüsse
    Markus

    1. Hi Markus,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir kämpfen immer noch mit der Versicherung, es bleibt spannend...

      Habt Ihr denn mitbekommen, als sie Euch den Spiegel abgerissen haben? Oder wart Ihr zu dem Zeitpunkt gar nicht in der Nähe? Idioten gibt´s leider überall auf der Welt. Aber ich bin mir sicher, dass Ihr Euch den Reisespaß deswegen nicht nehmen lasst 🙂 Das wichtigste ist, dass es Euch gut geht 🙂

      Sag liebe Grüße an Deine Mädels, wir bleiben im Kontakt 🙂

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